Grüne Fraktion sucht neuen Draht zur Wirtschaft

Gut ein Jahr nach ihrem Dämpfer bei der Bundestagswahl basteln die Grünen an einem neuen Wirtschaftskurs. Ein frisches Strategiepapier soll die Distanz zur Unternehmenswelt verringern – mit preiswerterem Strom, einer breiteren Stromsteuersenkung und gezielter Förderung wichtiger Industrien.

heute 00:04 Uhr | 4 mal gelesen

Tja, die Grünen machen ernst: Laut einem achtseitigen Diskussionspapier, das etwa der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt, sollen zukünftig nicht nur Großunternehmen, sondern auch kleinere Firmen und sogar private Haushalte von einer niedrigeren Stromsteuer profitieren. Ganz anders als die meisten aktuellen Vorschläge der Regierungskoalition, die fast ausschließlich Konzernen die Suppe versalzen. Auf der Agenda stehen außerdem "Brückenstrompreise" in Höhe von fünf Cent pro Kilowattstunde, was fast schon zu schön klingt, um wahr zu sein. Zudem: Der Schutz systemrelevanter Branchen rückt ins Zentrum – das umfasst gleichermaßen Unternehmen aus der Mikroelektronik, KI, Medikamentenherstellung, Batterietechnik und nicht zuletzt die traditionellen Schwergewichte wie Stahl und Chemie. Klimaschutzverträge und teilweise Kompensation für Umrüstkosten zum klimafreundlichen Betrieb sind beabsichtigt, jedenfalls im Industriemix. Kritischer klingt das Ganze beim Thema Autobranche. Die Fraktion will klare Ansagen zur Elektromobilität – vom vorsichtigen Anschieben ist keine Rede mehr. Das Papier fordert einen stringenten Kurswechsel, weil sich hier, so die Hoffnung, ein neues "deutsches Wirtschaftswunder" anbahnen könnte. Erwähnenswert: Nicht nur klassische Faktoren stehen auf dem Prüfstand. Auch der Blick Richtung China und den USA wird schärfer – die Grünen fordern eine eigenständige Positionierung und mehr Selbstbewusstsein gegenüber geopolitischen Playern. Und am Rande: Ein neuer Wirtschaftsbeirat mit Topmanager*innen aus Energie, Finanzen und Industrie soll ebenfalls frischen Wind bringen. Ob das alles so aufgeht? Die Zeit wird’s zeigen.

Die Grünen reagieren deutlich auf die angespannten Beziehungen zu Wirtschaftsverbänden und konkretisieren in ihrem Konzept deutliche Schritte: Ein niedrigerer Strompreis für alle, ausgeweitete steuerliche Entlastungen und direkte Intervention des Staates bei strategisch essenziellen Industriezweigen wie Chemie und Stahl – inklusive Anschubhilfe beim klimafreundlichen Umbau. Im Bereich E-Autos fordern sie nun ambitionierte Pfade mit klaren Etappenzielen, was auch für die zuletzt skeptische Autobranche bedeutsam werden dürfte. Hintergrund sind neben den wirtschaftlichen Herausforderungen auch geopolitische Umbrüche – insbesondere eine bewusstere Abgrenzung zu China und mehr Mut zur Eigenständigkeit, wie aus verschiedenen aktuellen Debatten und Berichten (u.a. Süddeutsche, Spiegel, Zeit) hervorgeht. NEUE DETAILS RECHERCHE: Laut faz.net fordert der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) als Reaktion auf das Papier ebenfalls eine schnelle Klärung des Industriestrompreises, äußert jedoch Zweifel, ob der vorgeschlagene Brückenstrompreis tatsächlich die richtige Lösung sei. (Quelle: [faz.net](https://www.faz.net)) Auf taz.de findet sich eine Analyse, dass die Grünen sich aktuell unter starkem Legitimationsdruck sehen, nachdem ihre klassische Wählerbasis teilweise ins Schwanken geraten ist und der wirtschaftliche Kurs damit zum Prüfstein der neuen Parteistrategie wird. (Quelle: [taz.de](https://taz.de)) Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass im Vorfeld der Veröffentlichung heftige Diskussionen mit Koalitionspartnern stattfanden – vor allem die SPD sieht das Papier skeptisch, da es ihrer Ansicht nach sozialpolitische Aspekte ausklammert und tendenziell zu wirtschaftslastig sei. (Quelle: [sueddeutsche.de](https://www.sueddeutsche.de))

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