Rentenreform: Beamte sollten in die gesetzliche Rente einzahlen, sagt Börsch-Supan

Ökonom Axel Börsch-Supan plädiert dafür, dass Beamte künftig nicht mehr exklusiv von eigenen Versorgungssystemen profitieren, sondern in die deutsche Rentenversicherung einzahlen. In einem Gespräch mit der 'Süddeutschen Zeitung' betonte er, dies sei aus mehreren Gründen sinnvoll.

heute 00:03 Uhr | 2 mal gelesen

Axel Börsch-Supan, renommierter Ökonom und Spezialist für das deutsche Rentensystem, sieht es als geboten an, die rund zwei Millionen Beamten im Land in die gesetzliche Rentenkasse zu bringen. Seiner Ansicht nach mangelt es vielen Beamten an einem echten Verständnis für das Rentensystem, da sie seit jeher nach eigenen Regeln versorgt werden. Das führe zu einer Distanz – Beamte, die den öffentlichen Dienst tragen, sollten laut Börsch-Supan ruhig erfahren, was die Mehrheit der Bevölkerung durchmacht. Allerdings erkennt der Experte an, dass diese Umstellung wirtschaftlich Nachteile birgt – Beamte leben im Schnitt länger als der Durchschnitt der Beitragszahler und könnten das Solidarsystem zusätzlich belasten. Doch überwiegt für ihn der gesellschaftliche Gewinn: Das wiederkehrende Gefühl, dass Beamte bevorzugt behandelt werden, könnte so endlich verschwinden. "Das wäre ein Schritt Richtung Gerechtigkeit, auch wenn es einiges kostet", meint Börsch-Supan. Es bleibt ein Dilemma: Sachliche Bedenken gegen Ungleichheitsgefühle.

Börsch-Supans Vorstoß schlägt in eine Kerbe, die viele Deutsche bewegt: das Empfinden, dass Beamte ein priviligiertes Versorgungsmodell genießen und so von den Unsicherheiten der gesetzlichen Rente abgeschirmt sind. Während der Experte ökonomische Hürden offen anspricht – wie die längere Lebenserwartung von Beamten und die resultierende zusätzliche Belastung der Rentenversicherung – plädiert er zugunsten der gesellschaftlichen Harmonie und einer Reduzierung von Misstrauen und Neid. Recherchen belegen: In Deutschland schwelt die Debatte über Ungleichbehandlung im Alter beständig, und Reformideen wie die Integration der Beamten in die Rentenkasse tauchen seit Jahren regelmäßig auf, werden politisch jedoch kaum umgesetzt. Ein Blick ins Ausland: In Österreich etwa sind Beamte bereits in das staatliche Pensionssystem eingebunden, was dort als Beitrag zu mehr sozialer Fairness betrachtet wird. Neue Studien warnen jedoch, dass ein solcher Systemwechsel kurzzeitig hohe Kosten verursachen würde, während die Gerechtigkeitspotenziale eher langfristig wirken. Die Gewerkschaften warnen vielfach vor 'Schnellschüssen' und fordern umfassende Reformkonzepte statt Einzelmaßnahmen.

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