Mediennutzung 2026: Kontrollverlust im digitalen Dschungel – KI, Deepfakes und das große Generationen-Mediengefälle

München – In Deutschland surfen mittlerweile 78 Prozent der Menschen regelmäßig durch soziale Netzwerke, bei den Jüngeren sind es sogar rund 91 Prozent. Fast die Hälfte der unter 25-Jährigen verbringt dort mehr Zeit als noch vor einem Jahr. KI sorgt allerdings verstärkt für Unsicherheit: Zwei Drittel behaupten, sie können kaum noch unterscheiden, ob ein Inhalt echt oder KI-generiert ist. Über die Hälfte ärgert sich über zunehmend wertlose KI-Posts in ihrem Feed, und die Generation 50plus beginnt, Social Media wieder zu meiden.

heute 10:00 Uhr | 2 mal gelesen

Wer hätte gedacht, dass Künstliche Intelligenz ausgerechnet zum Bastelspaß für jedermann wird? Tatsächlich haben bereits über ein Fünftel der Befragten einmal ein KI-Programm bemüht, um eigene Bilder zu erzeugen – bei Videos (11%) und Musik (9%) sind es schon weniger, aber auch hier zeigt die Tendenz steil nach oben. Und rund ein weiteres Drittel sagt: Bei Gelegenheit würd ich’s mal probieren. Viel Alltagsrelevanz haben KI-Anwendungen übrigens beim Suchen von Informationen – 35 Prozent checken so die digitale Nachrichtenlage. Für den Service sind einige durchaus zahlungswillig: Jeder Fünfte gibt an, für smarte Anwendungen bis zu 10 Euro oder sogar mehr im Monat springen zu lassen. Trotz aller KI-Neugier brodelt ein Misstrauen durch die sozialen Netzwerke. "Was echt ist und was nicht, erkennt man kaum noch", klagt so mancher – sogar die Hälfte nervt sich mittlerweile an seelenlosen KI-Inhalten, die bei Facebook, TikTok & Co. herumgeistern. Medienexpertin Sophie Pastowski mahnt deshalb, dass digitale Transparenz zur Vertrauensfrage wird. In den "Media Consumer Trends 2026", für die im Januar rund 2.000 Menschen interviewt wurden, zeigt sich außerdem: Streaming setzt weiter zum Höhenflug an. Mehr als ein Drittel nutzt kostenpflichtige Video-on-Demand-Dienste noch intensiver als im Vorjahr, die Zahl der Abos verharrt aber auf stabilem Niveau (durchschnittlich 2,5 pro Haushalt). Trotzdem fühlen sich viele Nutzer von der unübersichtlichen Anzahl der Services erschlagen. Mehr als 40 Prozent wünschen sich endlich eine gebündelte Plattform – aber ohne fairen Preisnachlass mag das kaum jemand wirklich. Im Ohr bleibt aber nach wie vor eher das gute alte Radio: 65% hören wöchentlich zu, bei den Jüngeren verliert das Format allerdings rapide an Boden. Dafür rücken Podcasts nach: Schon ein Fünftel konsumiert lieber Podcast als Radio, besonders die Altersgruppe 25-34 verschiebt ihre Prioritäten deutlich. Aber: Vertrauen in faktenbasierte Information spricht nach wie vor fürs Radio – über die Hälfte hält es für die verlässlichste Quelle. Die Podcast-Welt schiebt sich zwar in die Hörgewohnheiten, aber sie muss noch um jene Verlässlichkeits-Krone kämpfen.

Die diesjährige Deloitte-Studie illustriert, wie vehement sich digitale Mediengewohnheiten in Deutschland daran machen, auseinanderzudriften: Jüngere tummeln sich fast schon selbstverständlich auf Social Media, während Ältere zunehmend den Rückzug antreten. Das Thema Künstliche Intelligenz schlägt dabei einen doppelten Haken: Einerseits erweitert es die Möglichkeiten für Kreative und Neugierige, andererseits wächst das Misstrauen wegen Deepfakes, Fake News und dem Verlust der Unterscheidbarkeit zwischen echt und künstlich massiv. Das Streaming-Angebot wächst schneller als der Überblick; ein Drittel der Befragten lacht mittlerweile über die Angebots-Vielfalt, wünscht sich aber dennoch keine weiteren Einzelabos mehr, sondern träumt von einer Plattform – sofern der Preis stimmt. Aktuelles aus der Recherche: In den letzten 48 Stunden dominieren Berichte zu KI und Mediennutzung vor allem drei Schwerpunkte: (1) Deutsche Medienunternehmen und Politik streiten über strengere KI-Kennzeichnungspflichten, nachdem sich mehrere prominente Deepfake-Vorfälle ereignet haben; (2) Streaming-Märkte konsolidieren sich, einige Anbieter planen gebündelte Angebote, weil Nutzer ihre Abos zunehmend selektiver wählen; (3) Jüngere Menschen bewegen sich online immer weiter weg von klassischen Medienformaten, während sich eine Vertrauenskrise gegenüber neuen KI-gesteuerten Nachrichtendiensten deutlich zuspitzt. Trotz technischer Euphorie bleibt die Unsicherheit, wem und was im Netz man künftig noch glauben kann.

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