Mehr Sicherheit: Deutschland will Lebensmittelvorräte für Krisen ausbauen

Alois Rainer (CSU), Bundeslandwirtschaftsminister, schlägt vor, die staatlichen Notfallreserven für Lebensmittel deutlich zu verbessern. Neu: Auch sofort verwendbare Konserven und mehr Produkte sollen künftig blitzschnell einsatzbereit sein – und das nicht nur in den üblichen Lagern, sondern direkt bei Herstellern und Händlern.

heute 01:02 Uhr | 1 mal gelesen

Eigentlich klingt es wie aus einer längst vergangenen Zeit, aber die Diskussion gewinnt aktuellen Schwung: Vorratshaltung, aber diesmal professionalisiert. Rainer will nicht länger bloß schnöde Depots für selten genutzte Notfalldosen – stattdessen sollen Unternehmen einen festen Teil griffbereit haben, direkt ab Werk. Braucht man die Vorräte nicht sofort, wandern sie rechtzeitig in den Verkauf. Kluge Idee: So bleibt nichts alt, und die Regale sind im Ernstfall voll. Doch das alles kostet. Für den Start peilt das Ministerium rund 30 Millionen Euro an – jährlich dann bis zu 80 Millionen. Damit soll die Versorgung im Ernstfall lückenlos funktionieren, wenn das öffentliche Leben mal ins Stolpern gerät. Rainer betont: Händler oder Hersteller kriegen keine Extragewinne aus Steuergeld – der Staat plant weiter die Fäden in der Hand zu behalten. Interessant auch die Mahnung an jeden Einzelnen: Menschen sollen selbst Vorräte anlegen. Ein ganz praktischer Hinweis, bei dem sich mancher nach der Corona-Zeit erinnert fühlen dürfte (man denke an leere Regale damals). Apropos Versorgung: Damit genug zu essen produziert werden kann, setzt sich Rainer für mehr heimische Düngemittelherstellung ein – billigere Einfuhrzölle außer für Russland/Weißrussland inklusive. Ein strategischer Düngemittel-Puffer wie beim Öl? Noch nicht nötig, heißt es aus dem Ministerium.

Im Fokus steht der Ausbau der Notfallreserve für Lebensmittel in Deutschland. Nicht nur sollen klassische Lagerbestände besser verteilt werden, auch sofort einsetzbare Lebensmittel – etwa Konserven – sollen gezielt in die Logistikketten von Handel und Industrie integriert werden. Interessant ist dabei der Ansatz, dass Produkte kurz vor Ablauf rechtzeitig in den Verkauf übergehen, um Verschwendung zu vermeiden. Neben den genannten Finanzierungsplänen im Haushalt, fordert das Landwirtschaftsministerium zudem EU-weite Maßnahmen zur Sicherung der Düngemittelversorgung und hebt ausdrücklich die Rolle der Eigenvorsorge der Bevölkerung hervor. Laut aktuellen Berichten gibt es ein wachsendes Interesse daran, die Sensibilität für Versorgungssicherheit generell zu steigern, angesichts geopolitischer Turbulenzen und der Lehren aus der Corona-Pandemie. Ganz nebenbei: Die Debatte um Staatsaufgaben versus unternehmerische Verantwortung bleibt dabei spannend und flankiert von neuen Vorschlägen zur europäischen Zusammenarbeit.

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