Mentale Stärke und Stütze – Wie Orthesen Sportler auf dem Weg zurück begleiten

Bayreuth – Wer im Spitzensport unterwegs ist, kennt sie: Verletzungen. Doch der körperliche Weg zurück ins Team ist nur ein Teil. Mindestens so entscheidend: der Kopf. Sportpsychologe Dr. Tom Kossak, der mit dem Olympiastützpunkt Bayern und verschiedenen Nationalmannschaften arbeitet, spricht mit medi darüber, wie Vertrauen nach Verletzungen wächst – und warum ein unscheinbares Hilfsmittel wie die Orthese so viel ausmachen kann.

heute 12:45 Uhr | 8 mal gelesen

Herr Dr. Kossak, fast niemand bleibt ohne Blessuren im Leistungssport. Was sehen Sie als die größte mentale Hürde auf dem Weg ins Training?

"Tatsächlich ist es das Vertrauen – und damit meine ich dieses echte Gefühl, sich auf den eigenen Körper verlassen zu können, besonders auf das verletzte Gelenk oder die betroffene Struktur. Nach etwa einem Kreuzbandriss sagt der Verstand: 'Alles repariert, alles trainiert.' Doch innerlich? Bleibt oft Skepsis, besonders wenn’s nicht der erste Rückschlag ist. Motiviert startet man manchmal noch beim ersten Mal. Kommt eine zweite oder dritte Verletzung, schleichen sich Gedanken ein wie: 'Halte ich das überhaupt noch durch?' oder 'Bringt das alles noch was?'. Hinzu kommt: Kein Reha-Prozess läuft konstant, und kleine Rückschläge gehören dazu – das muss man erstmal aushalten können. Letztlich braucht es Zeit und Arbeit, um mit vollem Mut zurück in den Sport zu gehen."

Hilft eine Orthese eigentlich nicht nur körperlich, sondern auch psychisch?

"Absolut. Sie funktioniert fast wie eine Art mentale Krücke: In der frühen Reha-Phase wirkt sie wie ein äußeres Sicherungsseil. Viele Athlet:innen empfinden so ein Stützsystem fast wie eine zusätzliche Rüstung – das macht enorm was aus! Durch dieses Gefühl von Schutz wird das Training wieder zur Bewegung statt zum Angsthasenspiel. Sprich: Stabile Bänder am Körper heißen auch mentale Standfestigkeit."

Bekommen Sie eben diese Rückmeldungen?

"Definitiv! Sobald es wieder aufs Feld oder die Loipe geht, sagen mir viele: 'Jetzt kann ich mich mehr auf die Technik konzentrieren, weniger auf das Risiko.' Und ich arbeite gern mit inneren Bildern: Das lädierte Band als Drahtseil – elastisch, aber unzerreißbar. Solche Bilder geben Sicherheit, manchmal sogar Mut zum Risiko, bis Lockerheit und Vertrauen zurück sind."

Und gibt's da Unterschiede je nach Disziplin?

"Klar, etwa beim Ski alpin sind Knieprobleme Dauerbrenner – dabei hängt für viele die Karriere an stabilen Bandstrukturen. Doch am Ende läuft’s überall auf ein ähnliches Thema hinaus: Wer wieder vertraut – dem eigenen Körper und seiner Regeneration – der kommt zurück."

Wie bleiben Profis eigentlich mental resilient nach so vielen Rückschlägen?

"Niemand verlässt das Feld nur mit Siegen, auch die Besten müssen Niederlagen und Pannen aushalten. Und: Emotionen dürfen sein, sonst staut sich Frust an. Träume wie Olympia brauchen manchmal Zeit zum Verschwinden. Bastian Schweinsteiger hat mal gesagt: 'Um ein echter Champion zu sein, musst du erstmal die Niederlage akzeptieren und daraus lernen.' Dann geht’s ans Durchdenken, Motivation neu finden, einen neuen Plan fassen – kleine Schritte helfen."

Haben Sie abschließend einen Tipp für Ärzte oder Coaches?

"Nie nur das Offensichtliche sehen: Die Heilung findet immer auf der Matte und im Kopf statt. Training und Therapie sind wichtig, ja – aber ohne das passende Mindset ist der Weg zurück steiniger. Vertrauen wächst langsam, aber es ist die Wurzel für eine echte Rückkehr."

Dankeschön für das offene Gespräch, Herr Kossak.

Nützliche Links:

Produktinfos:

  • M.4®s PCL dynamic & M.4s® comfort: Rahmenorthesen für das Knie – mit Bewegungslimitierung
  • medi Rehab® one: Kompressionsstrümpfe für die Therapie von Ödemen und Schwellungen

Pressekontakt: medi GmbH & Co. KG, Medicusstraße 1, 95448 Bayreuth, www.medi.de, Janine Lenhart (PR) Tel. +49 921 912-2819; E-Mail: j.lenhart@medi.de

Originalquelle: medi GmbH & Co. KG / news aktuell, http://ots.de/5f74e6

Sportpsychologe Dr. Tom Kossak hebt hervor, wie zentral das Thema Vertrauen nach einer Verletzung im Leistungssport ist – sowohl in die eigene körperliche Belastbarkeit als auch darauf, dass Rückschläge auszuhalten sind. Orthesen können nicht nur körperlich stützen, sondern schenken vielen Athlet:innen auch mental einen Vorsprung, indem sie ein Gefühl von Stabilität und Sicherheit vermitteln. Nach eigenen Aussagen nutzt Kossak gezielt innere Bilder, zum Beispiel das des Drahtseils, um diese mentale Kraft zu stärken – eine Herangehensweise, die besonders in Sportarten mit hoher Verletzungsgefahr, wie etwa dem Ski alpin, zum Tragen kommt. Aktuelle Studien und Medienberichte zeigen: Das Thema mentale Gesundheit und Resilienz nimmt im Sport einen immer größeren Raum ein, vor allem, wenn es um die Rückkehr aus Verletzungspausen geht. Neben klassischen Maßnahmen wie Physiotherapie wird psychologische Begleitung auch von Verbänden zunehmend gefordert, etwa durch fest verankerte Mental Coaches in Nationalteams. Zudem beschreibt ein Trendbericht der Deutschen Gesellschaft für Sportwissenschaft, dass der gezielte Einsatz von Hilfsmitteln wie Orthesen sowohl die Reha-Compliance verbessert als auch die subjektive Rückkehrsicherheit steigert.

Schlagwort aus diesem Artikel