Laut einem Bericht des "Spiegel" wollen Europas Nato-Mitglieder und Kanada ihren Anteil an den militärischen Fähigkeiten erhöhen und dadurch über die Hälfte der US-Leistungen – speziell in Luftwaffe und Marine – kompensieren. Was auffällt: Während einige Staaten, darunter vor allem Großbritannien, in den letzten Wochen neue Zusagen für das sogenannte Nato-Streitkräftemodell gemeldet haben, halten sich andere größere Player wie Deutschland oder Frankreich noch bedeckt. Ein wenig erinnert das an den Moment im Sportverein, wenn überraschend viele für die ungeliebte Schicht zusagen – und doch noch Lücken bleiben. Ein Sprecher des für Europa zuständigen US-Generals Alexus Grynkewich, äußerte sich beim "Spiegel" zwar ausweichend, betonte aber eine besonders starke Resonanz unter den Verbündeten seit einer Konferenz Anfang Juni in Mons. Die Bereitschaft der Europäer und Kanadas, US-Ressourcen zu ersetzen, sei auffällig gestiegen, teilweise hätten sie sogar komplette Fähigkeiten übernommen. Ganz ehrlich: Das ist einerseits ein Signal von Selbstbewusstsein, aber – noch bleibt Arbeit. Denn die Lücken sind laut Nato nicht vollends geschlossen. Es brauche weitere Zusagen, etwa zum Nato-Gipfel Anfang Juli in Ankara. Diplomatische Stimmen bestätigen, dass es vor allem Großbritannien war, das „eine beachtliche Liste“ an Fähigkeiten präsentiert habe. Von offizieller Seite heißt es lediglich, dass das Vereinigte Königreich wie andere Europäer große Ernsthaftigkeit beim Ausbau der Verteidigung zeige.
Kurz gesagt: Die Nato sieht, wie Europäer und Kanada bei der Bereitstellung von Militärkapazitäten zulegen – über 50 Prozent der US-Beteiligung könnten sie schon ersetzen, doch bleibt in manchen Bereichen Nachholbedarf. Haupttreiber ist dabei Großbritannien, während Frankreich und Deutschland noch abwarten. In der Analyse vieler internationaler Medien wurde außerdem unterstrichen, dass diese Entwicklung die Unabhängigkeit Europas in der Allianz stärken, aber auch neue Herausforderungen und Unsicherheiten mit sich bringen könnte. Zusätzlich gibt es einen Fokus auf den bevorstehenden Nato-Gipfel, bei dem weitere Versprechen erwartet werden. Aus den letzten 48 Stunden zeigen Nachrichtenportale, dass das Thema auch in Bezug auf die anstehende US-Präsidentschaftswahl und Sorgen um Washingtons Zuverlässigkeit diskutiert wird.