Es gibt Momente, in denen jemand wie Peer Steinbrück – wahrlich kein Leisetreter – die Dinge beim Namen nennt. Er blickt auf die gegenwärtige Entwicklung in Deutschland und wundert sich: "So geballt, so existenziell, habe ich das noch nie erlebt." Selbst die Zeit der Finanzkrise 2008/09, die ihm noch deutlich in Erinnerung geblieben ist, scheint ihm mittlerweile weniger erschütternd als das, was Deutschland aktuell um die Ohren fliegt.
Was ihn besonders stört? Politiker, die, so Steinbrück, kaum vermitteln, wie weitreichend und einschneidend diese „Zeitenwende“ wirklich ist. Das sei, mit Verlaub, nicht einmal eine kleine Untertreibung. Im Rückspiegel betrachtet, sieht Steinbrück auch eigene Versäumnisse und stellt fest: "Wir alle haben uns damals zu sehr auf das Tagesgeschäft fokussiert und die gewaltigen Herausforderungen – vom demografischen Wandel bis zum Thema Verteidigung – bestenfalls am Rand registriert." Aspekte wie Digitalisierung, Bildung und bröckelnde Infrastruktur (um nur einige zu nennen) seien viel zu lange links liegen gelassen worden. Steinbrücks Tonfall schwankt zwischen reuigem Eingeständnis und deutlicher Warnung – und so bleibt die Frage im Raum: Wer wagt jetzt den nächsten großen Schritt?
Steinbrück beschreibt die aktuelle Lage in Deutschland als einmalige Ballung von Problemen, die er in dieser Form noch nie gesehen hat. Neben aktueller Kritik an der politischen Kommunikation räumt er eigene Fehler aus seiner Zeit in der Regierung ein, etwa das Übersehen zentraler Themen wie Verteidigungsfähigkeit, demografischer Wandel, Digitalisierung und Bildung. Neben Steinbrücks Interview steht Deutschland gerade vor massiven sozialen, wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen: Die Wirtschaft schwächelt angesichts hoher Energiepreise und globaler Unsicherheiten, die Debatte um die Wehrpflicht wird wieder lauter, und die Demografie belastet zunehmend die Sozialsysteme. Hinzu kommen laut aktuellen Medienberichten wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung, mehr politischer Druck auf die Ampel-Koalition und eine zunehmende Polarisierung in der gesellschaftlichen Debatte – ein toxisches Gemisch, das auch in der Berichterstattung etwa der Süddeutschen, der ZEIT oder der FAZ in diesen Tagen intensiv diskutiert wird.