Was als großer Wurf angekündigt war, läuft tatsächlich auf Sparflamme: Das Qualifizierungsgeld, eingeführt um Beschäftigte etwa aus der Autoindustrie beim Wechsel in neue Tätigkeiten zu unterstützen, wird von den Betrieben praktisch ignoriert. Die Bundesregierung musste laut Handelsblatt auf Nachfrage der Grünen einräumen, dass bis Dezember 2025 weniger als 400 Menschen von dieser Förderung profitiert haben. Ursprünglich hatte das Arbeitsministerium ein Budget von 360 Millionen Euro pro Jahr reserviert, davon wurde ein Bruchteil verwendet – 2024 waren es magere 108.035 Euro. Für die Arbeitsmarktpolitikerin Sylvia Rietenberg (Grüne) ist das vor allem ein Zeichen, dass schöne Gesetze allein nicht reichen; die Umsetzung müsse offenbar nochmal ganz grundlegend gedacht werden. Der Zentralverband des Handwerks geht sogar einen Schritt weiter, er forderte gegenüber dem Handelsblatt, das Programm abzuschaffen – so, wie es praktisch niemand durch die bürokratischen Hürden schaffen kann. Betriebe müssten nicht nur den konkreten Transformationsbedarf beweisen, sondern bräuchten auch mindestens zehn oder sogar zwanzig Prozent ihrer Leute für die Umschulungen: Wer will sich da freiwillig dieses Verfahren antun? Vielleicht braucht es für die Transformation nicht nur neue Gesetze, sondern auch ein bisschen weniger Papierkram.
Das Qualifizierungsgeld, eingeführt als Herzstück der Weiterbildungsstrategie für den Umbau der Wirtschaft, stößt real kaum auf Resonanz: Bislang wurden nur wenige Menschen damit erreicht, und das vorhandene Budget bleibt zum Großteil ungenutzt. Die Ursachen liegen laut Verbänden insbesondere in zu komplizierten Förderkriterien und dem recht hohen bürokratischen Aufwand, gerade für kleinere und mittlere Unternehmen. Neuere Artikel berichten zudem, dass die Bundesregierung derzeit an Vereinfachungen der Regelungen arbeitet, um das Programm attraktiver zu machen – laut FAZ wird jedoch weiterhin diskutiert, ob nicht andere Programme wie das Qualifizierungschancengesetz praxisnaher sind. Die Öffentlichkeitsarbeit wurde zuletzt verstärkt, etwa durch branchenbezogene Informationskampagnen, doch der Erfolg bleibt abzuwarten. Im internationalen Vergleich haben Länder wie Dänemark oder die Niederlande größere Umschulungszahlen erreicht, was Experten als Indiz für einen zu restriktiven Förderrahmen hierzulande deuten.