Rohstoffambitionen der EU auf tönernen Füßen

Die EU steckt beim Versuch, die fatale Abhängigkeit von essenziellen Rohstoffen zu verringern, noch fest im Absichtserklärungsmodus – echte Fortschritte sind selten.

heute 09:28 Uhr | 3 mal gelesen

Mal ehrlich, man hätte es fast ahnen können: Europas Pläne, bei wichtigen Rohstoffen unabhängiger zu werden, schwanken wie ein Kartenhaus im Wind. Laut einer aktuellen Erhebung des ifo-Instituts klemmt es gewaltig: Von 27 zentralen Rohstoffen, die etwa für Batterien, Halbleiter oder Windkraftträger gebraucht werden, schafft es die EU gerade mal bei vier auf über fünf Prozent der weltweiten Produktion. Und bei neun Rohstoffen steht sie ganz mit leeren Händen da – null Prozent, bemerkenswert eigentlich. Isabella Gourevich vom ifo-Institut bringt es auf den Punkt: Statt schon heute kräftige, klare Allianzen mit Förderländern zu haben, werkelt man noch an vagen Absichtsbekundungen herum. Eigenen Rohstoff-Abbau? Müsste eigentlich längst angepackt werden, doch unzählige Fragen sind noch offen. Vor allem ist da diese fast schon groteske Übermacht von Drittstaaten bei Zukunftstechnologien: Die Bausteine moderner Industrien – seltene Metalle, die in E-Autos oder Chips stecken – importiert die EU immer noch fast komplett. Wenn die EU das Ruder rumreißen will, muss sie laut Gourevich schleunigst in echte Projekte und handfeste Finanzierungen investieren, statt auf wohlfeile Versprechen zu setzen. Verarbeitungskapazitäten ließen sich eigentlich mittel- bis kurzfristig im eigenen Land hochziehen, meint sie – doch allein das Öffnen neuer Minen zieht sich oft über Jahrzehnte hin. Und selbst, falls man sich zügig ans Werk machte: Es fehlt an Daten. Die europäische Rohstoff-Datenbank MIN4EU ist alles andere als vollständig. In Deutschland hat lediglich Baden-Württemberg detailreiche Minenstandorte veröffentlicht. Entschuldigung, aber da bleibt einiger Frust zurück.

Die aktuelle ifo-Studie zeigt: Die EU ist weiterhin hochgradig abhängig von Importen kritischer Rohstoffe, besonders in strategischen Schlüsselbereichen wie Elektromobilität und Digitalisierung. Nur ein Bruchteil der weltweit geförderten kritischen Rohstoffe stammt aus Europa; bei zahlreichen Rohstoffen existiert überhaupt keine eigene Förderung. Trotz politischer Bekenntnisse hat sich an der konkreten Umsetzung wenig getan – Datenmangel, fehlende Wirtschaftlichkeitsanalysen und bürokratische Hürden bremsen effektive Maßnahmen. Beobachter kritisieren, dass dringend eine Neuausrichtung in Richtung konkreter Projekte und langfristiger Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern sowie ein schneller, nachhaltiger Ausbau eigener Förder- und Verarbeitungsstrukturen nötig ist. Recherchen zeigen, dass das Thema in Brüssel weiterhin hoch auf der Agenda steht, wie jüngste Forderungen nach strategischer Autonomie und schon gestartete Initiativen im Bereich Recycling und Kreislaufwirtschaft zeigen. Dennoch: Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit bleibt – und ungenutzte Vorkommen in Europa könnten bei entschlossener politischer Initiative mittelfristig helfen, die Importabhängigkeit zumindest abzufedern.

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