„Technik muss für Menschen und die Umwelt taugen, nicht umgekehrt.“ – Boris Siegenthaler, Infomaniak-Gründer
Aus einer Clique Computerfans ist Infomaniak 1994 hervorgegangen – fast schon eine Szene-Legende für Selbstbestimmung und europäischen Datenschutz. Jetzt verankert Infomaniak seine Grundsätze wie Unabhängigkeit und Ethik unwiderruflich: Die Mehrheit der Stimmrechte bleibt für immer bei einer Stiftung.
Gemeinwohl im Fokus
Die neue Infomaniak-Stiftung arbeitet zweigleisig: Sie fördert sinnvolle Zukunftsprojekte – von digitaler Souveränität über Bildung, Open Source oder Klimaschutz bis hin zum Thema Energie. Gleichzeitig sorgt sie als Hauptaktionärin dafür, dass Infomaniak nicht zur Übernahme- oder Spielmasse wird, sondern seiner Linie treu bleibt.
Vieles läuft schon lange in diese Richtung: Fördergelder für freie Software, Unterstützung innovativer Ausbildungswege (z.B. 42 Lausanne) oder Umweltorganisationen wie Agent Green, dessen Gründer gerade mit einem UN-Umweltpreis geehrt wurde.
Im Stiftungsrat sitzen engagierte Persönlichkeiten, darunter Marc Maugué, Jonathan Normand und Claire Siegenthaler – Boris Siegenthaler selbst lenkt die Stiftung zum Start für drei Jahre.
Timing mit Signalwirkung
Nach über drei Jahrzehnten erläutert Siegenthaler seinen Entschluss: „Das Vertrauen, das wir genießen – von Privatleuten und Unternehmen – verpflichtet. Gerade im Zuge der KI-Revolution haben Daten einen enormen strategischen Wert. Mit der Stiftung ist deren Schicksal auch für die Zukunft gesichert.“
Der Markt für Cloud-Dienstleistungen rauscht in eine neue Abhängigkeitsspirale: Europas Anbieter werden oft einfach von globalen US-Giganten geschluckt, oft heimlich still und leise. Die meisten Kunden dürften sich darüber kaum Gedanken machen – bis sie es dann doch erwischt. Für Infomaniak ist diese Stiftung, naja, eine Art Panzerschrank für Grundwerte und lokale Verwurzelung.
Schutz vor Übernahmen – Unverkäuflich, unwiderruflich
Siegenthaler hatte sukzessive das Kapital für Mitarbeitende geöffnet. Ab jetzt aber ist das Unternehmen unantastbar: Die Stiftung hält dank spezieller Aktien dauerhaft die Mehrheit und hat einen Riegel für Fremdbestimmung und Verkauf vorgeschoben. Die Entscheidung fiel einstimmig im Team. Externe Geldgeber gibt es ohnehin nicht – und es bleibt dabei. Das bestehende Management lenkt weiter die Geschäfte, während die Stiftung quasi als Wächterin im Hintergrund steht.
Verankert in einer Beteiligungscharta, werden Werte wie Privatsphäre, Nachhaltigkeit oder EU-weite digitale Eigenständigkeit jährlich in einem öffentlichen Bericht überprüft. Praktisch: Ohne grünes Licht der Stiftung läuft keine Übernahme oder Kontrolle mehr über.
„Unsere Freiheit ist kein Lippenbekenntnis – sie ist ab jetzt ein Konstrukt, unabhängig von jeder Einzelperson. Das ist mein Vermächtnis.“ – Boris Siegenthaler
Zur Sache selbst
Infomaniak betreibt seine Cloud komplett in der Schweiz, versorgt Millionen Menschen europaweit und wächst kräftig: 2025 lag der Umsatz bei rund 56 Millionen Franken, über 340 Menschen arbeiten mittlerweile dort. Ganz offiziell garantiert ab jetzt die Stiftung, dass das auch so bleibt.
Pressekontakt:
Thomas Jacobsen, Unternehmenssprecher
communication@infomaniak.com
Quelle: Infomaniak via news aktuell
Mit der Übertragung der Infomaniak-Stimmrechte an eine gemeinnützige Stiftung folgt Boris Siegenthaler, anders als viele Tech-Gründer, nicht dem Trend, sein Lebenswerk an den Meistbietenden zu verkaufen. Seine Entscheidung trifft auf einen europäischen Tech-Sektor, der aktuell stark von US-Konzernen dominiert wird; zahlreiche europäische Cloud-Anbieter wurden in den vergangenen Monaten von internationalen Akteuren übernommen, wodurch Datenschutz und digitale Unabhängigkeit teils erheblich leiden. Infomaniak will mit dieser Struktur den langfristigen Schutz seiner Werte wie Datenschutz, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung garantieren und sich jeder Fremdbestimmung dauerhaft entziehen – ein Modell, das in Europa bislang Seltenheitswert hat. Ergänzende Recherche: In den letzten 48 Stunden zeigte sich in den wichtigsten deutschsprachigen und internationalen Tech- und Wirtschaftsmedien eine Vielzahl an Debatten zum Thema Datenhoheit und Stiftungsmodelle: Laut FAZ wächst das politische und wirtschaftliche Interesse an europäischen Cloud-Lösungen stetig, da die Abhängigkeit von US-Anbietern immer stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt. Die Süddeutsche Zeitung berichtete kürzlich, dass vor allem kleine IT-Firmen zunehmend nach Modellen suchen, die langfristige Unabhängigkeit sicherstellen; Stiftungsmodelle gewinnen an Zuspruch, gelten aber weiterhin als Ausnahme. Auf t3n.de wurde zudem kritisch diskutiert, wie sich derartige Konstrukte auf Innovationskraft auswirken und ob sie eine Blaupause für andere europäische Tech-Unternehmen sein könnten.