Es kratzt im Hals, es riecht intensiv – und trotzdem greifen junge Leute in Deutschland wieder öfter zum Glimmstängel. Während das Rauchen in den letzten Jahren fast schon als uncool und gesundheitlich riskant galt, sind in der Popkultur plötzlich wieder Zigaretten zu sehen: Charli XCX, Dua Lipa, Sabrina Carpenter – sie alle inszenieren sich lässig rauchend. Markus Lindblad von Haypp meint: Das ist nicht nur Fassade, sondern verstärkt einen besorgniserregenden neuen Trend.
Nachdem Rauchen gesellschaftlich fast schon verbannt schien, zeigt eine aktuelle Umfrage: Vor allem bei 18- bis 34-Jährigen glauben 35 bis 37 Prozent, dass Rauchen heute als angesagt gilt. Das korreliert mit Ergebnissen der DEBRA-Studie: In der Altersgruppe 18-24 Jahre ist der Raucher:innen-Anteil 2025 auf 32,3 Prozent gestiegen – ein deutlicher Sprung gegenüber dem Vorjahr.
In diesen Zahlen spiegelt sich mehr als nur ein kurzer Modehype. Nostalgie spielt mit rein – und ein Sehnsuchtsgefühl, das wohl irgendwo zwischen Popkultur, Stressbewältigung und dem Geist alter Werbekampagnen pendelt. Viele der Gen Z scheinen sich an die Ästhetik der 90er und 2000er zu klammern, als Rauchen irgendwie noch stilvoll und ein kleines bisschen rebellisch war. Laut Studie sehen fast 45 Prozent der jungen Menschen regelmäßig rauchende Stars, was das Bedürfnis nach Zugehörigkeit nochmal verstärkt.
Interessant dabei: Die meisten wissen sehr wohl, wie gefährlich Rauchen ist, doch der "coole Look" wiegt manchmal schwerer als die Fakten. Nur noch 18 Prozent der Deutschen meinen, die Gefahren würden übertrieben – also das Wissen ist da, das Handeln hinkt nach. Lindblad kritisiert: Wenn sogar diejenigen wieder verstärkt rauchen, die eigentlich bestens informiert sind, brauche man neue Formen der Aufklärung.
Verwirrung herrscht allerdings in Bezug auf Alternativen. Viele schätzen E-Zigaretten oder Nikotinbeutel als mindestens genauso gefährlich oder noch schlimmer ein als klassische Zigaretten. Laut Umfrage denkt jeder zweite, dass E-Zigaretten schädlicher sind – bei Gen Z sogar über 61 Prozent.
Noch ein Irrtum: Mehr als die Hälfte glaubt, Nikotin sei der Hauptkrebsverursacher. Drei Viertel halten es für das gefährlichste Element im Tabakrauch – obwohl Gesundheitsbehörden klar sagen, das eigentliche Übel ist die Tabakverbrennung.
Letztlich zeigen die Daten: Information allein genügt nicht. Es braucht ein Verstehen der psychologischen, kulturellen und gesellschaftlichen Dynamiken, warum junge Menschen zur Kippe greifen – gerade jetzt, im digitalen Zeitalter, wo die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Stressabbau und Retro-Glamour eine merkwürdige Melange eingehen.
Die gesamten Zahlen stammen aus einer Censuswide-Online-Befragung im Auftrag von Snusbolaget Norden AB (Februar 2026, etwa 2.000 Befragte). Die Teilnehmer:innen kamen aus allen 16 Bundesländern und diversen Altersgruppen; darunter viele, die aktiv rauchen, dampfen oder Nikotinbeutel nutzen – und eben auch jene, die ganz ohne Nikotin leben.
Rauchen betrachtet die Mehrheit der jungen Erwachsenen plötzlich wieder als schick – teils beeinflusst von Popkultur und Social Media, teils aus Nostalgie und Stress. Die meisten kennen zwar die Gesundheitsrisiken, unterschätzen aber weiterhin die akute Gefahr der Tabakverbrennung und überschätzen das Krebsrisiko durch Nikotin. Interessanterweise bestätigen neueste Berichte von Fachportalen, dass auch europaweit eine gestiegene Nutzung traditioneller Tabakprodukte bei jungen Menschen zu beobachten ist, während Aufklärungskampagnen derzeit offenbar nicht mehr so recht greifen. Zudem warnt die Weltgesundheitsorganisation angesichts dieser Entwicklung vor einer möglichen Renaissance von Tabak-bezogenen Erkrankungen in jüngeren Altersgruppen. Neue Initiativen wie verstärkte Screens in sozialen Medien oder gezielte Gegenkampagnen werden bereits in skandinavischen Ländern erprobt, könnten aber in Deutschland noch größere Relevanz gewinnen.