Spicy Stories: Wie New-Adult-Romane den Buchmarkt verändern

Leipzig – Mit der Leipziger Buchmesse gibt es einen spannenden Neuzugang bei ARD Kultur: Die Reportage-Reihe „ttt reportage“ startet mit „Spicy Stories“, einer Folge, die sich dem Hype um Romance- und Dark-Romance-Bücher widmet – besonders brisant unter jungen Lesenden. Vorab gibt's das Ganze bereits ab 19. März in der ARD-Mediathek, vor Tagesschau-Zuschauer*innen am späten 22. März.

heute 10:48 Uhr | 1 mal gelesen

Wer hätte gedacht, dass zwischen pastellfarbenen Buchcovern eine Revolution schlummert? Während Kritikerinnen scharf schießen – angeblich drohen die Hirnzellen zu erweichen – türmen sich in Jugendzimmern Titel wie „Icebreaker“, „Very Bad Kings“ und der allgegenwärtige Kassenschlager „Maxton Hall“. Der Reiz: Es geht häufig rau zu in diesen sogenannten Dark-Romance-Romanen, mit Geschichten, in denen Macht, Unterwerfung und Gewalt in Beziehung gesetzt werden – ein Thema, das laut Feuilleton eher nach Softporno als nach Literatur klingt. Spannend ist aber auch, wie offen Jugendliche, teils noch sehr jung, im Netz über das „Spice-Level“ dieser Bücher sprechen und sie gegenseitig empfehlen; BookTok wird zum Lesezirkel neuen Typs. Die ttt-Reportage packt diese Kontroverse an, betrachtet den erstaunlichen Umsatzsprung von 15 Prozent in nur drei Jahren und fragt, warum gerade diese 'schmutzige' Literatur so einschlägt. Ist es Tabubruch oder Sprachrohr einer Generation, deren Selbstbild und Wünsche im traditionellen Feuilleton bestenfalls gestreift, selten verstanden werden? Klar ist: Verlag und Streamingdienste wittern gewaltiges Geschäft, Serien-Umsetzungen wie „Maxton Hall“ und „Bridgerton“ lassen die Kassen noch lauter klingeln. Wie Triggerwarnungen als Kaufmotivation eingesetzt werden, warum der Feminismus über die Romane streitet – und was passiert, wenn sich Realität und Fiktion vermischen: All das zeigt „ttt reportage: Spicy Stories“. Das Format, neuen Kulturtrends auf Augenhöhe zu begegnen, ist ein Ansatz, den die ARD künftig öfter gehen will. Ob das junge Publikum dauerhaft abgeholt wird? Das bleibt spannend – manche Experimente brauchen eben Zeit.

Die „ttt reportage: Spicy Stories“ beleuchtet einen massiven Trend in der Buchwelt: junge Leser*innen entdecken New-Adult- und Dark-Romance, während traditionell-kritische Stimmen warnen, dass die Grenzen zwischen Konsens und Gewalt zu oft verwischen. Der Umsatz mit Dark Romance hat sich zuletzt um 200 Prozent gesteigert; Auslöser sind einerseits gezielte Social-Media-Bewerbung (BookTok, Instagram), andererseits ein Bedürfnis nach ehrlichen, manchmal expliziten, Geschichten rund ums Erwachsenwerden. Laut neuesten Berichten von taz und FAZ erhitzen die Diskussionen zum Jugendschutz, zu Genderrollen und zu toxischen Beziehungskonzepten weiterhin die Gemüter – Verlage und Medien nehmen die Entwicklungen unterschiedlich kritisch oder offen auf.

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