Wie kann eine Schule gezielt auf die Bedürfnisse besonders begabter Kinder eingehen, ohne dabei andere auf der Strecke zu lassen? Diese Frage klingt simpel, ist aber hochkomplex – und im Grunde nie endgültig beantwortet. Genau das stand beim Karg Fachforum im Februar 2026 zur Debatte: Über 180 Lehr- und Fachkräfte aus 13 Bundesländern sowie aus Belgien und der Schweiz sind angereist, um sich von den Erfahrungen der anderen inspirieren zu lassen und – vor allem – sich zu verbinden.
Netzwerken ist nicht einfach: Es braucht Zeit, gegenseitiges Vertrauen und immer wieder die Offenheit, auch mal Fehler oder Unsicherheiten preiszugeben. Man merkt oft erst hinterher, wie hilfreich der Austausch mit anderen sein kann – sei es, weil eine spontane Idee zum neuen Unterrichtskonzept reift oder weil sich jemand eine Lösung auftut, die allein nie denkbar war. Besonders erhellend war der Einblick in den beigefügten Film „Begabungsförderung gemeinsam gestalten“, der Stimmen von Fachkräften und Schüler:innen selbst einfängt.
Die Förderung Hochbegabter, häufig als Bonusprogramm verschrien, ist tatsächlich weit mehr: Sie hebt das Unterrichtsniveau insgesamt und kann eine Schule als Ganzes lebendiger machen. Wenn Lernende erleben, dass ihre Talente berücksichtigt werden, profitieren letztlich alle: Das Klima verbessert sich, Lehrkräfte werden von Motivationsschüben überrascht und selbst für weniger auffällige Talente öffnen sich plötzlich Türen. Faszinierend, wie oft das Thema Vielfalt – erst belächelt – zur größten Stärke wird.
Verschiedene Workshops und Fachvorträge rückten den Dialog über Unterrichtsentwicklung, die Unterstützung durchs Kollegium und auch interdisziplinäre Ansätze in den Mittelpunkt. Der Wert von Netzwerken? Laut Timm Flügge vom Gymnasium Fridericianum Schwerin: Der wohl effektivste Hebel, die Begabtenförderung bundesweit voranzubringen. Besonders interdisziplinäre und überregionale Netze machen Mut zum Perspektivwechsel und tragen dazu bei, frische Ideen in den Alltag zu holen.
Wenig überraschend, aber trotzdem zu selten, ist die Erkenntnis: Wirklich nachhaltig wirkt nur das, was geteilt und weitergegeben wird. Wissen, das in Einzelprojekten schlummert, entfaltet erst dann Wirkung, wenn es offen zirkuliert. Hier unterstützt die Karg-Stiftung tatkräftig, indem sie Schulen, Lehrende und Beratende zusammenbringt und ihnen Werkzeuge zur kollegialen Kompetenzentwicklung an die Hand gibt.
Das Spektrum des Forums reichte von Diskussionsformaten wie den „AustauschBars“ über kreative Laborräume bis hin zu klassischen Inputs über die Schule der Zukunft und das School Wide Enrichment Model – einem Ansatz, bei dem die ganze Schule profitiert, nicht nur ein paar Ausgewählte.
Unterm Strich: Austausch, Neugier und ein Schuss Mut, Ungewohntes zuzulassen – das sind die Garanten einer besseren Förderung, die nicht mehr nur als Luxus gelten sollte. Wie Dr. Nicole Miceli von der Karg-Stiftung anmerkte: Es sind die Vielstimmigkeit und der offene Austausch, die Sprungbretter für echte Innovationen im Klassenzimmer schaffen.
Im Kern lebt die Förderung Hochbegabter davon, dass Lehrkräfte miteinander kooperieren und ihre Erfahrungen in tragfähigen Netzwerken austauschen – das wurde auf dem Karg Fachforum erneut klar. Die Karg-Stiftung sorgt dabei für die nötige Infrastruktur und begleitet den Wissenstransfer, sodass nicht nur einzelne Schulen, sondern ganze Regionen von den gesammelten Erfahrungen profitieren. Besonders im Fokus stand, wie unterschiedliche Vermittlungsformate – von praxisorientierten Diskussionen über kreative Labore bis zu fundierten Fachvorträgen – ineinandergreifen können, um Begabtenförderung nachhaltig in der Schulkultur zu verankern. Nach aktueller Recherche gibt es bundesweit weiterhin großen Bedarf an struktureller Unterstützung und Fortbildung für Lehrkräfte im Bereich Hochbegabung, und Initiativen wie die der Karg-Stiftung werden von Bildungsexperten als essentielle Impulsgeber für bessere Chancengerechtigkeit gesehen. Viele Bundesländer fördern mittlerweile gezielt den Aufbau von Netzwerken wie Kompetenzzentren oder Begabtenakademien, gleichzeitig betonen jedoch sowohl Lehrkräfte als auch Bildungspolitiker die Schwierigkeit, solche Strukturen dauerhaft wirksam zu gestalten, da dies auf Eigeninitiative der Schulen und konstanten Austausch angewiesen ist. Außerdem spielt das Thema Digitalisierung auch in der Begabtenförderung eine immer größere Rolle: KI-basierte Tools zur Begabungsdiagnose oder Online-Plattformen zur Vernetzung von Lernenden werden zunehmend bedeutender und fordern neue pädagogische Kompetenzen bei Lehrkräften.