Steuervorteile für Minderjährige: Unternehmenserben im Fokus

Erhebliche Teile großer Unternehmensvermögen werden steuerbegünstigt an Minderjährige übertragen – und das mit äußerst niedrigen Steuersätzen. Die Hintergründe werfen Fragen auf und zeigen, wie ungleich die Erbschaftsregelung gestaltet sein kann.

heute 10:41 Uhr | 4 mal gelesen

Manchmal stolpert man beim Durchforsten der Nachrichten über eine Zahl, die im Kopf nachklingt. Im aktuellen Fall geht es um 4,7 Milliarden Euro – so viel Vermögen gelangte 2024 begünstigt an junge Menschen unter 18 Jahren. Nachzulesen ist das in der Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion. Interessant: Der durchschnittliche Steuersatz lag bei 4,7 Prozent. Noch verrückter – bei Stiftungen sogar nur 0,1 Prozent. Klingt beinahe wie ein schlechter Witz, wäre es nicht Realität. Christian Görke von den Linken schüttelt den Kopf: Die Steuergesetze wirken immer noch extrem ungerecht, sagt er. Viele Fragen zu den Hintertürchen und Tricks in den Steuersparmodellen blieben übrigens unbeantwortet. Das Bundesfinanzministerium äußerte sich ausweichend. Für Görke ein klares Zeichen der Doppelmoral: Öffentlich die gerechtere Erbschaftsteuer fordern und dann in der Praxis doch ganz anderes tun. Vielleicht irrt man sich, aber so fühlt es sich zumindest an. Und vielleicht, ganz vielleicht, liegt hier auch ein Grund, warum steuerpolitische Debatten in Deutschland häufig wie ein nie endendes Kaugummi wirken: Viele reden, wenige handeln.

Die steuerliche Bevorzugung großer Unternehmensvermögen bei Erbschaften und Schenkungen nutzt vor allem minderjährigen Empfängern, wie neue Daten zeigen. 2024 wurden 11,1 Milliarden Euro auf diesem Weg weitergegeben, davon 43 Prozent an Personen bis 17 Jahre. Die Kritik ist nicht neu, aber die geringe Besteuerung – teilweise fast bei Null – und die politische Diskrepanz zwischen öffentlichen Forderungen und tatsächlich beantworteten Fragen werfen alte und neue Ungleichheitsfragen auf. Um die politische Dimension zu beleuchten: In aktuellen Medienberichten wird betont, dass die SPD zwar lautstark für eine gerechtere Erbschaftsteuer eintritt, der zuständige Finanzminister aber in der konkreten Umsetzung zögert oder Schlüsselthemen aussitzt. Die Konsequenz: Die öffentliche Debatte um Steuergerechtigkeit flammt erneut auf und legt den Finger in die Wunde struktureller Privilegierung in Deutschland. Darüber hinaus berichten mehrere Medien, dass die Steuerregeln für Familienunternehmen als Schlupfloch für die Reichen gesehen werden und Reformen bislang ins Stocken geraten sind. Dies zeigt die andauernde Brisanz und Unzufriedenheit mit der aktuellen Gesetzeslage.

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