Linnemann setzt sich für Mindestmitgliederzahl bei Krankenkassen ein

Carsten Linnemann, CDU-Generalsekretär, bringt die Idee ins Spiel, die Vielzahl der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland durch die Einführung einer Mindestgröße einzudämmen. Etwa eine halbe bis dreiviertel Million Versicherte seien als untere Grenze denkbar, so Linnemann in einem aktuellen Interview. Für kleinere Kassen solle es großzügige Übergangsfristen geben.

heute 18:58 Uhr | 3 mal gelesen

Schnelle Veränderungen erwartet Linnemann freilich nicht – er betont, dass solch eine Umstellung Zeit brauche, wohl mehrere Jahre. 'Klar können wir das nicht übers Knie brechen', erklärt er, zugleich reklamiert er einen echten Willen zur Reform: 'Bloße Debatten reichen mir nicht mehr, wir müssen endlich Strukturen bewegen.' Dabei schwingt mit: Die aktuelle Landschaft mit über hundert Krankenkassen empfindet er als nicht mehr zeitgemäß. Sein Vorschlag: Versicherungen sollten künftig auf mindestens 500.000 oder 750.000 Mitglieder kommen, so könne Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität gestärkt werden. Allerdings, und auch das ist Linnemann wichtig, sollen betroffene Kassen und Versicherte nicht ins kalte Wasser geworfen werden – deshalb regt er Übergangsregeln von mehreren Jahren an. Ob und wie schnell diese Pläne in der Politik auf fruchtbaren Boden fallen, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Man kennt das ja – große Ideen, zähe Prozesse; gelegentlich fällt dabei nicht nur die Bürokratie, sondern auch so mancher Optimismus über Bord.

Linnemanns Vorstoß reflektiert eine schon länger geführte Debatte über die Effizienz und finanzielle Stabilität der gesetzlichen Krankenkassen. In Deutschland gibt es aktuell mehr als 90 gesetzliche Krankenkassen, von denen viele regional tätig sind und unterschiedliche Zusatzleistungen anbieten. Kritiker bemängeln, dass diese Vielfalt Kosten treibt und Reformpotenzial bremse – zumal angesichts steigender Gesundheitsausgaben und Sparzwang. Die Idee, kleine Kassen notfalls zu Fusionen zu zwingen, steht ohnehin schon länger auf der Agenda verschiedener gesundheitspolitischer Akteure. Neu ist vor allem Linnemanns konkreter Vorschlag, Mindestmitgliederzahlen anzugeben – und die Forderung, dass die Debatte nicht auf die lange Bank geschoben werden dürfe. Zugleich ist umstritten, ob größere Einheiten zwangsläufig mehr Effizienz bedeuten. Gesundheitsökonomen weisen darauf hin, dass Wettbewerb und Vielfalt auch Innovation befördern können; zudem warnen sie vor Risiken wie weniger regionaler Nähe und weniger individueller Betreuung. Aktuelle Recherchen zeigen außerdem, dass viele kleinere Betriebskrankenkassen unter wachsendem wirtschaftlichem Druck stehen – manche wappnen sich bereits mit Fusionsgesprächen. Andererseits gibt es auch Stimmen, die warnen, dass mit dem Wegfall kleinerer Versicherer ein Stück gesellschaftlicher Vielfalt verloren gehen könnte.

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