Linnemann findet klare Worte: 80.000 Euro Jahreseinkommen – das sei in seinen Augen längst kein Zeichen von Reichtum. Im Gespräch mit dem Sender "Welt" betont er, dass eine spürbare Entlastung niedrigerer Einkommen einen enormen Finanzbedarf von mindestens 10 Milliarden Euro mit sich bringt. Diese Summe ließe sich nicht einfach allein bei den obersten fünf Prozent der Steuerpflichtigen abschöpfen. Wer nämlich glaube, mit einer Anhebung des Spitzensteuersatzes ausschließlich Reiche zu belasten, der betreffe am Ende doch maßgeblich Mittelschicht und Handwerksbetriebe. Eine Steuererhöhung für diese Gruppe würde, so Linnemann, große Debatten über Gerechtigkeit provozieren. Seine Haltung: Er könne nicht gutheißen, dass Bürgerinnen und Bürger mit 80.000 Euro zu versteuerndem Einkommen nun einen noch größeren Steueranteil abgeben sollen. "Da bin ich vorsichtig", gibt er zu Protokoll. Zumindest aufseiten der CDU gibt es aber auch Stimmen wie Fritz Güntzler, die über eine moderate Anhebung diskutieren möchten – ganz ausschließen wollen das also nicht alle.
Linnemann hält eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes für einkommensschwächere Top-Verdiener für kaum tragbar und sieht darin kaum Potenzial, die gewünschte Steuerentlastung niedriger Einkommen zu finanzieren. Aktuelle Debatten in der Union und darüber hinaus zeigen, wie sehr dieses Thema die politische Landschaft spaltet: Während einige Politiker wie Fritz Güntzler einen vorsichtigeren Diskurs anregen, bleibt Linnemann bei seinem klaren Nein. Erwähnenswert ist, dass die Debatte inmitten des Haushaltsstreits und angesichts stagnierender Wirtschaftsdaten geführt wird – eine Gemengelage, die die Argumente auf beiden Seiten emotional auflädt.