Wie Sebastian Hille, der in der Bundesregierung für Pressearbeit zuständig ist, mitteilte, sprach Merz am Donnerstag mit Sharif. Im Mittelpunkt stand dabei ein herzliches Dankeschön von Merz für Sharifs Einsatz, einen Waffenstillstand zwischen Iran und den USA zu vermitteln. Die beiderseitige Auffassung: Ohne Diplomatie kein dauerhafter Friede in der Nachbarschaft zwischen Orient und Okzident. Dass Deutschland und Pakistan ihre Zusammenarbeit weiter ausbauen wollen, wurde ebenfalls am Telefon bekräftigt – klingt nach diplomatischem Smalltalk, ist aber im Ernstfall Gold wert.
Später am Tag ließ Merz durchblicken, dass es nach einer langen Funkstille nun wieder Gespräche mit Irans Regierung geben werde – eine Retourkutsche auf politischer Ebene, nach schwierigen Jahren mit wenig Kontakt. Die Bundesregierung will sich so künftig stärker in Verhandlungen einbringen. Interessant am Rande: Merz rief auch Israel öffentlich dazu auf, Militäreinsätze gegen den Libanon auszusetzen. Der Friedensprozess sei gefährdet, so der Kanzler, wenn die Gewalt nicht endlich nachlasse. In seinem Statement fand er klare Worte an Israels Regierung und brachte gleichzeitig klar zum Ausdruck, wie komplex und fragil die Lage in der Region ist.
Der Anruf zwischen Merz und Sharif ist ein diplomatisches Signal in bewegten Zeiten: Deutschland sucht nach einer stärkeren Rolle im Nahost-Friedensprozess, und Pakistans Vermittlerrolle wird ausdrücklich gelobt. Die Ansage, Gespräche mit dem Iran wieder aufzunehmen, markiert nach Jahren politischer Eiszeit einen Neubeginn – Grund für die Funkstille waren unter anderem Differenzen beim Atomabkommen sowie die Menschenrechtslage im Iran. Gleichzeitig zeigt Merz mit seiner öffentlichen Kritik an Israels Vorgehen gegenüber dem Libanon, dass Deutschland sich nicht scheut, auch Verbündeten deutlich die Meinung zu sagen – eine seltene, aber wichtige Nuance auf dem politischen Parkett.
Aus dem aktuellen Nachrichtengeschehen: Die humanitäre Lage im Gazastreifen bleibt laut Hilfsorganisationen katastrophal, und das Risiko einer weiteren Eskalation im Südlibanon wächst täglich. Diplomatische Bemühungen der EU, Irans Einfluss auf pro-iranische Milizen in der Region einzudämmen, liefen in den vergangenen Tagen auf Hochtouren. Pakistan versucht, durch seine engen Beziehungen zu Iran und dem Westen, auch im Hintergrund als Vermittler konstruktiv einzuwirken.