Man kann es drehen und wenden, wie man will, wirklich schnell läuft im Energiesektor gerade gar nichts. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich die Lieferketten nur allmählich erholen", betonte Alfred Stern im Gespräch mit dem 'Handelsblatt' (Donnerstag). Die jüngsten Turbulenzen – ausgelöst durch die angespannte Lage rund um den Iran – wirken laut Stern beharrlich nach und werden laut seiner Einschätzung spürbare Spuren hinterlassen, und zwar über einen längeren Zeitraum, als manche vielleicht hoffen. Die überteuerten Preise an den Zapfsäulen? Stern will davon nichts wissen, jedenfalls nicht in Bezug auf stärkere staatliche Eingriffe wie etwa einen Spritpreisdeckel. Für solche Forderungen hat er kaum Verständnis. Dass die Ölbranche als übermäßiger Krisengewinner am Pranger steht, ist für ihn eine Art Nebelkerze; die wahren Preistreiber seien laut Stern vielmehr Steuern und andere Abgaben, die der Staat erhebt.
Neben all den Krisengeräuschen gerät fast in den Hintergrund, dass OMV zusammen mit Adnoc ein neues Joint Venture aus der Taufe hebt: Borouge International. Auch dazu hat Stern eine ziemlich klare Haltung: Gerade in schwierigen Zeiten brauche es mutige, zukunftsgewandte Schritte – Anpassung statt Lähmung. Die Zielvorgabe ist ehrgeizig: Synergien von mindestens 500 Millionen Dollar jährlich will man heben, stabile Dividenden und eine starke Kapitalausstattung inklusive gutem Kreditrating stehen ebenfalls auf dem Plan. Klingt fast so, als hätte OMV seinen Kompass trotz der stürmischen See nicht verloren.
Die wirtschaftlichen Erschütterungen durch die jüngste Ölkrise im Zuge der geopolitischen Spannungen um Iran werden nach Einschätzung von OMV-Chef Alfred Stern länger andauern, als viele annehmen. Neben den praktischen Herausforderungen, allen voran gestörte Lieferketten, stehen auch wirtschaftspolitische Fragen im Raum: Laut Stern sind staatliche Abgaben und Steuern entscheidende Faktoren für die hohen Energiekosten, nicht primär die Ölindustrie selbst. Während OMV offensiv in die Zukunft investiert – unter anderem mit dem Joint Venture Borouge International mit Adnoc, das starke Erträge und Synergien bringen soll – bleibt das Unternehmen vorerst in einer angespannten, aber gleichermaßen strategisch motivierten Lage.
Aktuelle Ergänzungen aus weiteren Medien: Laut aktuellen Berichten bleibt die Unsicherheit an den globalen Energiemärkten hoch. Neue Sanktionen und die weiterhin fragile politische Großwetterlage könnten die Situation noch verschärfen. Experten wie die Internationale Energieagentur fordern zusätzliche Diversifikationsbemühungen im Energiemix Europas, um unabhängiger von Krisen in einzelnen Regionen zu werden. Auch gesellschaftlich wächst der Druck auf Energiekonzerne und Politik, etwa durch Forderungen nach verstärkten Investitionen in erneuerbare Energien und einer sozial gerechteren Verteilung der Kosten. Insgesamt zeichnet sich ab: Die Zeit der einfachen Antworten im Energiesektor ist vorbei.