Eine ziemlich gemischte Truppe: Bundesverband der Systemgastronomie, Dehoga, Bäckerhandwerk, Tiefkühlinstitut und Großhandel unterhielten sich diese Woche mit Albert Stegemann (CDU) und Jens Behrens (SPD) – beide im Bundestag, beide nah dran an Ernährung & Landwirtschaft. Das Thema: Der aktuelle Gesetzentwurf zur Erweiterung der Tierhaltungskennzeichnungspflicht. Betriebe sollen künftig ihre Lieferketten noch feiner dokumentieren und Tierhaltungsformen akkurat auch in der Außer-Haus-Verpflegung deklarieren. Was nach einer guten Idee für mehr Transparenz klingt, entpuppt sich laut Branchenstimmen schnell als sehr komplexer Spagat zwischen Alltag und Vorschriftenwahnsinn.
Die Praxisberichte – ob von McDonald's, Metro oder einem Bäckermeister aus Brandenburg – führten die Folgen vor Augen: Ständig wechselnde Kennzeichnungen, nachträgliche IT-Umrüstungen, unklare Mischprodukte, überfordert vor allem die vielen kleinen und mittelständischen Betriebe. Sogar vergleichsweise simple Vorgänge wie der Tausch einer Salamipackung in der Bäckerei könnten künftig bürokratisch eskalieren. Für Gemeinschaftsverpflegung in sensiblen Einrichtungen (Kitas, Krankenhäuser) bedeutet das noch mehr Unsicherheit.
Mehr Bürokratie, steigende Kosten, Preissteigerungen für Verbraucher:innen – und im schlimmsten Fall schlechteres Tierwohl, weil Anreize für freiwillige Verbesserungen verloren gehen. Branchenvertreter warnen auch vor einer „Einzelhandelslogik“ für Gastronomie und Catering, die komplett anders funktioniert als der klassische Supermarkt. Besonders kritisch: Die Pflicht, immer mit der niedrigsten Haltungsstufe auszeichnen zu müssen, könnte sogar Fortschritt verhindern.
Fazit nach dem Frühstück: Reden ist gut, jetzt braucht die Branche aber belastbare politische Reaktionen und Regelungen, die in der Praxis tragfähig sind. Sonst, so der Tenor, drohen viele Unternehmen an zu viel Bürokratie zu scheitern.
Das parlamentarische Frühstück in Berlin offenbarte einen breiten Konsens von Branchenvertreter:innen gegen die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf die Außer-Haus-Verpflegung. Die Kritik reicht von befürchteter Überregulierung und Existenzsorgen für kleine Unternehmen über konkrete Alltagsprobleme bis hin zu möglichen Fehlanreizen für Tierwohl und Transparenz. Neueste Recherchen zeigen: In den letzten Tagen wurde das Thema vielfach aufgegriffen – etwa auf ZEIT Online, wo der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband anmerkt, dass zusätzliche Bürokratie die Branche in einer ohnehin schwierigen Wirtschaftslage hart träfe. Auch auf der Seite der Süddeutschen Zeitung kam zur Sprache, dass der bürokratische Mehraufwand in den Betrieben laut Dehoga kaum leistbar sei und zu einer Preisspirale für Gäste führen könnte. Die FAZ berichtet, dass die Systemgastronomie in Deutschland bereits mit freiwilligen Verbesserungen beim Tierwohl experimentiert – die aber durch eine zu strenge Kennzeichnungspflicht eher unterlaufen werden könnten.