FCAS: Airbus hält an Kampfjet-Plänen fest – auch ohne Frankreich?

Michael Schöllhorn, Vorstandschef von Airbus Defence and Space, betont, wie wichtig die Entwicklung eines deutschen Kampfjets bleibt, selbst falls das gemeinsame FCAS-Projekt mit Frankreich endgültig platzt. Ganz gibt er die europäische Zusammenarbeit aber nicht auf – vorerst.

heute 17:00 Uhr | 4 mal gelesen

Eigentlich ist das Future Combat Air System (FCAS) viel mehr als nur ein Flugzeug: Es ist ein Netzwerk. Sieben Bausteine umfasst das Ganze, von unbemannten Drohnen über eine hochentwickelte Combat Cloud, die all diese Komponenten miteinander verkettet. Doch angeblich stockt es gerade mal bei einer dieser Säulen, so Schöllhorn im Gespräch mit dem „Spiegel“. Sollte das mit Frankreich nun an dieser Stelle haken – ziemlich konkret vor allem am neuen Jet, der der Nukleus der nächsten Generation werden soll –, muss man sich eben umgucken. Sorry, aber „wenn nicht mit Dassault, dann eben anderswo in Europa“, sagt Schöllhorn. Zugegeben, die Verhandlungen ziehen sich schon eine gefühlte Ewigkeit – Deutschland und Frankreich drehen sich im Kreis, was die Zuschreibungen von Kompetenzen und die Ausstattung der Jets angeht. Die Franzosen pochen auf eine Führungsrolle, Airbus fühlt sich eher übergangen. Die Streitkräfte ihrerseits sind sich auch nicht ganz grün: Was die deutschen wollen, passt wohl aus Sicht der Franzosen nicht ins Flugzeug oder umgekehrt. Es ist, als würden hier verschiedene Gegenwartsversionen aufeinanderprallen, vollgestopft mit Budget- und Souveränitäts-Ängsten. Schöllhorn sieht nicht nur die Zusammenarbeit auf dem Prüfstand, sondern warnt sogar vor dem Auseinanderdriften der europäischen Verteidigungspolitik. Nationaldenken, sagt er, ist womöglich eine große Gefahr – man sehe jetzt immer häufiger, wie Nationen mehr auf eigene Champions und Prestigeprojekte setzen. Das alles, räumt Schöllhorn ein, ist verständlich: Gelder sind national, Politiker müssen Erfolge fürs eigene Land präsentieren. Dennoch: „Der Druck, nationaler zu werden, ist Gift für Europa.“ Ganz schön deutliche Worte aus einem Wirtschafts-Machtzentrum wie Airbus.

Der FCAS-Streit belegt, wie schwierig paneuropäische Projekte in der Verteidigungsindustrie sind. Technologische Zusammenarbeit gerät ins Stocken, sobald nationale Interessen dominieren – ausgerechnet in einem Bereich, der die strategische Autonomie Europas sichern soll. In den letzten Tagen wurde publik, dass Kanzler Scholz auf eine bessere Einbindung deutscher Industrie pocht; parallel startet Frankreich offenbar mit Großbritannien neue Militärdrohnen-Projekte. Die Risse zwischen Berlin und Paris betreffen aber nicht nur die Rüstungsbranche: Sie offenbaren auch wachsende Skepsis gegenüber gemeinsamer EU-Sicherheitspolitik. Neue Medienberichte legen nahe, dass europäische Militärprojekte vermehrt durch nationale Rivalitäten gebremst werden – etwa beim Bau neuer Panzer oder dem Raketenabwehrschirm. Immer mehr Experten fragen sich: Stand die deutsche und französische Zusammenarbeit jemals wirklich auf festem Fundament, oder war das europäische FCAS-Projekt von Anfang an ein politischer Zweckoptimismus? (Siehe Quellen in Erweiterung)

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