Nach dem grünen Licht für neue Beihilferegeln im Kraftwerksbereich zieht Uniper die Spendierhosen an. 'Mit dem StromVKG können wir endlich wieder an einen investierbaren Kraftwerksmarkt in Deutschland denken. Und das ist wirklich Zeit geworden', so ein spürbar erleichterter Lewis im Gespräch mit der 'Welt'. Prompt wurden die Pläne zur Erweiterung der Kraftwerksflotte geschärft. Auf dem Weg zur – erneut anstehenden – Privatisierung (der Bund muss bis 2028 auf etwa 25% Anteil zurückfahren) ist für Uniper klar: Sicherheit und Flexibilität bei der Stromerzeugung sind die Schlagworte der Stunde. Nach dem existenzbedrohenden Einschnitt durch das abrupte Aus russischer Gaslieferungen 2022 und der temporären Verstaatlichung steht für potentielle neue Investoren die Stabilität im Vordergrund. Auch persönlich könnte man ergänzen: Wer einmal so kurz vor dem Abgrund stand, überlegt sehr genau, wie das Geschäftsmodell künftig aufgestellt wird.
Doch Uniper will nicht nur Wetterlaunen trotzen – mit neuen Gaskraftwerken (in Hanau und Gelsenkirchen, zusammen gut 1,7 Gigawatt) soll die Energiewende sturmfest gemacht werden. Lewis bringt es auf den Punkt: 'Wir müssen steuerbare Kraftwerke nach vorne bringen, sonst bleibt die Energiewende ein Kartenhaus.' Trotzdem bleibt das Ziel, jährlich Wind- und Solarprojekte mit etwa 500 Megawatt zu realisieren, bestehen. Die Lücke durch den Kohleausstieg klafft, meint Lewis – und offenbar sieht sich Uniper als handfeste Brücke über diese Schlucht.
Uniper, noch immer stark im Besitz des Staates, reagiert auf das StromVKG mit einer Investitionsoffensive in flexible Kraftwerkskapazitäten – also insbesondere steuerbare Gaskraftwerke und ergänzend erneuerbare Anlagen. Gerade weil der Kohleausstieg sichere Stromerzeugungskapazitäten schwinden lässt und die Bundesregierung mittel- bis langfristig weniger Einfluss am Unternehmen haben will, verschärft Uniper seine Strategie im Hauruckverfahren. Nicht unerheblich dabei: Nach allem, was die aktuelle Nachrichtenlage hergibt, diskutieren Energiebranche und Politik teils hitzig, ob der massive Fokus auf flexibel steuerbare Backup-Anlagen wirklich genügt, um die Klimaziele nicht aus den Augen zu verlieren – einige Stimmen mahnen etwa mehr Tempo bei der Erneuerbaren-Integration an. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass sich zahlreiche Energieunternehmen und Analysten Chancen auf den lukrativen Ausstieg aus fossilen Energien durch das neue Gesetz ausrechnen, aber Unsicherheiten bei den Investitionsbedingungen und staatlichen Anreizen bleiben bestehen. Laut FAZ wird die Notwendigkeit flexibler und schnell zuschaltbarer Kraftwerke in Deutschland als zentrales Thema gesehen, während der Spiegel betont, dass politische und finanzielle Rahmenbedingungen weiterhin die Transformation des Energiesektors bestimmen.