Es ist schon beinahe ein altes Leid: Ostdeutschland bekommt die Windräder, während westdeutsche Investoren die Gewinne einsacken und der Strom anderswo gebraucht wird – diesen Vorwurf erhebt Armin Willingmann zur Landtagswahl. Nach seiner Ansicht wurde eine grundlegende Schieflage bei der Finanzierung des Stromnetzausbaus nie wirklich ausgeglichen. Insbesondere die Kostenfrage verschärfte die Ablehnung vieler Menschen gegen die Energiewende. "Wie soll sich Akzeptanz entwickeln, wenn die Lasten vor Ort landen und der Nutzen oft weit entfernt ist?" fragt Willingmann fast schon rhetorisch. Sich auf regionale Netzentgelte zu verlassen, sei im Rückblick eine politische Sackgasse gewesen – eine nationale Infrastruktur wie das Stromnetz gehöre doch finanziell auf breitere Füße gestellt.
Seit Anfang 2025 fließt dank eines neuen, deutschlandweiten Ausgleichsmechanismus immerhin Geld in die Entlastung der besonders betroffenen Bundesländer. Ein Umdenken, auf das viele vor Ort Jahre gewartet hatten. Dennoch – der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt aus Sicht des Ministers wichtig: Kommunen profitieren seit kurzem direkt davon, zum Beispiel durch das Akzeptanz- und Beteiligungsgesetz. "Pro Windrad landen jährlich etwa 27.000 Euro in der Gemeindekasse – gerade für chronisch klamme Kommunen ein nicht zu unterschätzender Lichtblick", so Willingmann. Er geht dabei hart mit der AfD ins Gericht, die gegen Windkraft polemisiere und damit den Gemeinden schlicht eine dringend benötigte Einnahmequelle entziehe. Heimatenergie sei doch, im besten Sinn, eine Ressource für stabile Preise, Versorgungssicherheit und aktiven Klimaschutz. Aber, und das schwingt mit, die Debatte bleibt emotional aufgeladen.
Willingmanns Kritik an der Energiewende spiegelt eine tiefe Frustration über die finanzielle Belastung vor allem der ostdeutschen Bundesländer wider, welche den Netzausbau lange vorfinanziert haben, während der Nutzen anderswo abfließt. Mittlerweile sorgt ein bundesweiter Ausgleich für eine gewisse Entlastung, doch das Gefühl ungerechter Lastenverteilung bleibt. Durch Gesetze wie das Akzeptanz- und Beteiligungsgesetz profitieren Kommunen neuerdings stärker von Windkraftanlagen, was nicht nur die Kassen füllt, sondern lokal auch mehr Zustimmung für erneuerbare Energien schafft – allerdings sorgt Gegenwind aus bestimmten politischen Lagern weiterhin für Streit.
Aktuelle Meldungen (Stand Juni 2024) berichten vermehrt über Fortschritte beim bundesweiten Ausgleich der Netzentgelte, bestätigen jedoch weiterhin die große Unzufriedenheit in Ostdeutschland mit der Energiewendepolitik, insbesondere was Beteiligungsmöglichkeiten und Verteilungsgerechtigkeit angeht. Auch in anderen ostdeutschen Ländern wird eine größere finanzielle Beteiligung und Mitsprache gefordert, wie etwa der MDR und Zeitungen wie die ZEIT und die FAZ berichten. Neuere gesetzliche Initiativen werden vielerorts begrüßt, stoßen aber weiterhin auf Skepsis hinsichtlich ihrer tatsächlichen Wirkung vor Ort.