Airbus-Chef ruft zum Überwinden des nationalen Denkens in der Rüstungsindustrie auf

René Obermann, Aufsichtsratsvorsitzender von Airbus, mahnt die europäische Politik zu mehr Kooperation im Verteidigungsbereich an und warnt vor den Folgen von nationalen Einzelinteressen.

heute 13:01 Uhr | 1 mal gelesen

Manchmal hat man das Gefühl, Europa läuft beim Thema Verteidigungsindustrie in immer denselben Kreis: Jedes Land schützt verbissen seine eigenen Industrien, Hauptsache die Aufträge landen zuhause. René Obermann, der aktuelle Aufsichtsratschef von Airbus, klingt im Gespräch mit der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' und mit 'Le Monde' beinahe ungeduldig: Es sei „dringender denn je“, so sagt er, die nationalen Schranken im Verteidigungssektor einzureißen. Er weiß wohl, wie schwer das ist. Fast entschuldigend merkt er an, wie enorm die Hemmungen auf politischer Ebene seien. Aber, und das ist kein kleiner Einwand: Kommt es eines Tages wirklich zum Ernstfall, wäre wahrscheinlich wertvolle Zeit verloren. Dann hätten sich all die Querelen und Sonderwege bitter gerächt.

Ein besonderer Dorn im Auge ist Obermann das sogenannte Geo-Return-Prinzip — diese Vorschrift, dass jedes Land gemäß seinem finanziellen Anteil Industrieaufträge zurückbekommt. Für ihn werde damit „Nationalinteresse über Europas Interesse gestellt“. Genüsslich nüchtern meint er: „Damit schadet sich Europa letztlich selbst.“ Gleichzeitig, kritisiert er, würden längst überfällige Entscheidungen für bessere Zusammenarbeit, die Harmonisierung der Rüstungstechnik und schnellere Programme auf die lange Bank geschoben.

Obermann gibt sich aber nicht restlos pessimistisch: Kleine Fortschritte sehe er – etwa bei der Beschleunigung von Beschaffungsverfahren. Trotzdem müsse viel stärker der Nutzen und das Tempo im Vordergrund stehen, statt der Suche nach der perfekten, aber zu trägen Lösung. Obendrein plädiert er für mehr Kooperation mit ukrainischen Firmen und deren schneller Innovationskultur. Er fordert, die Anforderungen bei Ausschreibungen einfacher zu halten, damit das Wesentliche – die Einsatzfähigkeit – nicht auf der Strecke bleibt.

Was den holprigen Verlauf des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS betrifft: Das Wort „Fiasko“ will Obermann nicht gelten lassen. Einzelne Programm-Bausteine hätten durchaus Zukunft. Und, fast schon technikverliebt, beschreibt er das Kampfflugzeug der sechsten Generation als essenzielle „Edge-Computing-Plattform“ – also als digital hochvernetztes System, das bemannte und unbemannte Einheiten clever koordiniert. Airbus, so Obermann, stehe bereit, hier das Tempo zu bestimmen.

René Obermann von Airbus will, dass europäische Länder im Verteidigungsbereich enger zusammenarbeiten und den selbstzerstörerischen Nationalismus beenden. Er sieht es als Hindernis, dass in gemeinsamen Projekten jedes Land einen streng proportionalen Anteil erhält, da das oft Innovation und Tempo bremst. Stattdessen fordert Obermann einfachere Prozesse, mehr Flexibilität und eine stärkere, pragmatische Zusammenarbeit – auch mit Blick auf die Dringlichkeit der aktuellen geopolitischen Lage (siehe [spiegel.de](https://www.spiegel.de)). Recherchen zeigen, dass aktuell verstärkt über einen Ausbau der europäischen Rüstungszusammenarbeit diskutiert wird, vor allem angesichts des anhaltenden Ukraine-Kriegs und der wachsenden Unsicherheit (Quellen: [zeit.de](https://www.zeit.de), [faz.net](https://www.faz.net)). In anderen aktuellen Berichten wird betont, dass europäische Synergien – insbesondere im Technologiebereich – entscheidend für die Verteidigungsfähigkeit des Kontinents sind (siehe [taz.de](https://taz.de)). Auch wird zunehmend der Ruf nach schnelleren Entscheidungsprozessen in den europäischen Verteidigungsindustrien laut.

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