Wirtschaftlicher Aufbruch sieht anders aus, meint Veronika Grimm, ihres Zeichens Mitglied des Sachverständigenrats. Sie legt den Finger direkt in die Wunde: Deutschland stehe sich, was Innovation und Fortschritt betrifft, selbst im Weg. "Technologischer Fortschritt, das müsste unser Ass im Ärmel sein, aber stattdessen legen wir uns Steine in den Weg", betont Grimm, die an der TU Nürnberg lehrt. Immer neue Regulierungen, zu wenig Mut, die veralteten Strukturen radikal zu hinterfragen – das macht Deutschland in ihren Augen träge. Dänemark und Schweden dienen Grimm als positive Gegenbeispiele: Mit weniger Vorschriften und flexibleren Arbeitsmärkten hätten sie gezeigt, was Anpassungsfähigkeit bewirken kann. Stattdessen verpuffe hierzulande die Reformenergie, indem an Themen gearbeitet werde, die kaum echte Veränderungen brächten – etwa, wenn es um die Integration von Beamten in die Sozialversicherung oder das Ehegattensplitting geht. Beides lenkt ab, findet sie. Und in Wahrheit steige währenddessen von außen der Druck: Europa insgesamt, so meint Grimm, laufe Gefahr, wirtschaftlich weiter abgehängt zu werden.
Veronika Grimm macht keinen Hehl daraus, dass sie die aktuellen Ideen der Bundesregierung für wenig ambitioniert hält. Für einen echten Wachstumsschub, so ihre Analyse, reicht der bisherige Ansatz schlicht nicht aus: Statt wirklich bei Innovationsanreizen und Regulierungsabbau anzusetzen, verliere sich die Politik in Symbolreformen. Damit droht Deutschland, den Anschluss an dynamischere Technologienationen endgültig zu verlieren. Neuere Debatten in Politik und Medien bestätigen, dass die Bundesregierung aktuell unter verstärktem Handlungsdruck steht – zuletzt etwa durch rückläufige Wirtschaftsprognosen, höhere Energiepreise und wachsende Kritik aus der Unternehmerschaft. Viele Fachleute fordern mutigere Schritte, etwa bei Bürokratieabbau, Digitalisierung und steuerlicher Innovation – ein Ringen, das wohl noch länger andauern wird.