Verteidigungspolitiker debattieren über Ehrung der Tapferkeitsmedaillenträger im Bundestag

Zum Anlass des 'Tags der Bundeswehr' schlagen führende Abgeordnete von CDU, SPD und AfD vor, die seltenen Träger des ‚Ehrenkreuzes für Tapferkeit‘ prominenter im Bundestag zu würdigen – während Grüne und Linke skeptisch bleiben. Wie sollte sich Parlamentskultur zur Bundeswehr verhalten?

heute 08:02 Uhr | 3 mal gelesen

Thomas Röwekamp (CDU), derzeit Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, möchte bei der Bundestagspräsidentin anregen, eine spezielle Gedenkstätte für die mit dem Tapferkeits-Ehrenkreuz ausgezeichneten Soldaten zu schaffen. Als Vorbild nennt er die Gedenkstele für im Auslandseinsatz gefallene Bundeswehrsoldaten vor dem Ausschusssaal – ein ziemlich unübersehbarer Ort also. Kerstin Vieregge von der Union bringt eine digitale, mobile Infostation ins Spiel, die Besucher transparent am Erleben der Soldaten teilhaben lassen könnte. Immerhin reden wir hier von einer Auszeichnung, die in all den Jahren nur 34 Mal vergeben wurde. SPD-Mann Christoph Schmid gibt sich pragmatisch: Egal ob Ehren-Stele oder Tafel, wichtiger sei für ihn die Geisteshaltung gegenüber den Soldatinnen und Soldaten – das große Ganze also. AfD-Vertreter Jan Nolte lehnt sich da eher aus dem Fenster und hält eine Fotowand oder Namensliste für simpel umsetzbar, wenn das Heer das schon kann. Demgegenüber kritisieren Grüne und Linke die übermäßige Symbolik. Ulrich Thoden (Linke) warnt, dass sich unter den Ausgezeichneten auch heikle Figuren befänden – also, wie trennt man Heldentum von Kontroversem? Sara Nanni (Grüne) kehrt die Diskussion um: Lieber mehr echte Unterstützung für Veteranen als immer mehr Denkmäler. Die Bundestagsverwaltung bringt derweil einen Dämpfer ins Spiel: Im eigentlichen Sitzungssaal dürfen aus statischen Gründen wohl keine Porträts oder Objekte hängen, eine Stele wie für die Gefallenen wäre aber denkbar. Die Frage bleibt: Wie viel sichtbare Anerkennung ist richtig – und für wen eigentlich?

Aktuell diskutieren Verteidigungspolitiker aus verschiedenen Parteien, wie Träger des 'Ehrenkreuzes für Tapferkeit' in den Bundestagsgebäuden sichtbarer geehrt werden könnten. Während konservative und rechtspopulistische Stimmen konkrete Vorschläge für Tafeln oder digitale Infopunkte machen, sehen Linke und Grüne darin unnötige Symbolpolitik und warnen vor problematischen Ausgezeichneten. Aus einer aktuellen Recherche ergibt sich, dass die Frage nach der angemessenen Würdigung in den letzten Tagen bundesweit für Gesprächsstoff sorgt – insbesondere, da die Symbolpolitik in der Bundeswehr auch angesichts der aktuellen Diskussionen um Auslandseinsätze, Attraktivität des Dienstes und Veteranenversorgung verstärkt hinterfragt wird. In Artikeln der SZ wird beispielsweise das Spannungsfeld zwischen ehrlicher Anerkennung und Heldenkult beleuchtet. Zudem gibt es Berichte, dass einige Soldaten die öffentliche Debatte als Belastung empfinden und fordern, dass die Politik mehr auf Taten als auf Zeichen setzen solle. Insgesamt hat sich gezeigt, dass sowohl Veteranen in sozialen Medien wie auch große Verbände selbst unterschiedliche Meinungen zur Sichtbarkeit von Tapferkeitsauszeichnungen im Bundestag äußern (siehe z. B. Diskussionen auf www.spiegel.de oder www.zeit.de).

Schlagwort aus diesem Artikel