Es gibt bekanntlich diese Politiker, die selten ein Blatt vor den Mund nehmen, und Christian von Stetten zählt definitiv dazu. "An jeder Ecke zieht die SPD die Bremse", so sein O-Ton gegenüber dem "Stern" – man spürt regelrecht den Frust zwischen den Zeilen. Interessant: Gleichzeitig bekräftigt von Stetten sein Vertrauen in Friedrich Merz und bezeichnet ihn weiterhin als ideale Besetzung für das Kanzleramt. Kurzer Themenwechsel – wie lange hält das eigentlich noch? Bei einer Veranstaltung in der Heimat wurde von Stetten nach der Standfestigkeit der Koalition gefragt, woraufhin er relativ unverblümt meinte: "Vier Jahre – nein, auf keinen Fall." Die Unterschiede zwischen den Koalitionsparteien seien seiner Ansicht nach nicht mehr zu überbrücken, die Vorstellungen zu verschieden.
Er steht mit dieser Meinung keineswegs alleine da. Wie der "Stern" erfahren hat, gab es am Mittwochnachmittag einen digitalen Austausch innerhalb der Unionsfraktion, bei dem mehrere Abgeordnete ihren Unmut äußerten – angeblich teils mit "brutaler Ansicht" zu den jüngsten Kabinettsbeschlüssen, beispielsweise zur Reform der Krankenkassen oder zum Haushalt. Besonders ein CSU-Parlamentarier, Alexander Engelhard, wird zitiert: Er wolle sich in seinem Wahlkreis nicht mehr für die Koalitionsarbeit "verprügeln lassen". Es drängt sich der Eindruck auf, dass es in der Union ordentlich brodelt – man kann gespannt sein, wie sich das weiterentwickelt.
Die Kritik an der Zusammenarbeit mit der SPD innerhalb der Union nimmt weiter zu. Christian von Stetten stellt die Haltbarkeit der aktuellen Regierungskoalition offen infrage und findet dafür auch Rückhalt in der Unionsfraktion, die sich offen gegen aktuelle Maßnahmen der Bundesregierung stellt. Darüber hinaus verschärfen jüngste Haushaltsdebatten und die geplante Krankenkassenreform den parteiinternen Streit – viele in der Union positionieren sich deutlich gegen die Linien der Ampelkoalition.
Laut faz.net ist die Debatte um den Bundeshaushalt weiterhin angespannt, insbesondere weil Sparmaßnahmen und Umverteilungen zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen den Koalitionspartnern führen. Ein aktueller Bericht bei sueddeutsche.de beschreibt, wie die Kabinettsbeschlüsse zur Gesundheitspolitik auf Widerstand in der Opposition stoßen und im politischen Diskurs immer aggressiver verhandelt werden. Auf www.spiegel.de wird zudem diskutiert, wie personelle Unzufriedenheit mit der Regierung zu einer allgemeinen Polarisierung im Bundestag beiträgt.