Zu den jüngsten Spannungen, etwa wegen der Bemerkung des Kanzlers über Irans „Demütigung“ der USA und Trumps diesbezüglichen Drohgebärden, mahnt Wadephul zur Konzentration aufs Wesentliche. Streitereien und Meinungsunterschiede, so sein Tenor, dürften nicht die Substanz gefährden. "Dafür tragen wir gemeinsam die Verantwortung, erst recht in heiklen Zeiten."
Auch zum diplomatischen Poker rund um die Straße von Hormus gibt er zu, dass Berlin in Sachen Kommunikation hätte klarer sein können. Gleichwohl: Die USA sehen laut ihm Deutschlands Rolle durchaus positiv. Und Streitpunkte wie Zölle oder Grönland? Machen ihm Sorge – versteht er aber manchmal schlicht nicht.
Wadephul zeigt sich überzeugt, dass das transatlantische Bündnis zwischen Europa und den USA weiterhin tragfähig ist, selbst wenn es zwischenzeitlich rumort – etwa wegen des Kurses gegenüber dem Iran oder wiederkehrender rhetorischer Spitzen aus Washington. Selbstkritik gibt es für das holprige diplomatische Taktieren Berlins, insbesondere rund um die Straße von Hormus. Der Grundtenor: Meinungsverschiedenheiten gehören dazu, sie dürfen aber nicht das grundsätzlich Gemeinsame überdecken. In den letzten Tagen wurde vielfach auch von anderen Beobachtern hervorgehoben, wie wichtig ein funktionierendes transatlantisches Verhältnis gerade jetzt – im Schatten des Nahostkonflikts und der weltweiten Unsicherheiten – bleibt.