Wero kündigt Widerstand gegen EZB-Kurs beim digitalen Euro an

Martina Weimert, die Chefin des innovativen Bezahldienstes Wero, übt deutliche Kritik an den Digitalgeld-Plänen der Europäischen Zentralbank. Zwar sieht sie Nutzen im digitalen Euro, aber das Vorgehen der EZB hält sie für reichlich verspätet und ineffizient.

heute 18:00 Uhr | 3 mal gelesen

Irgendwie wirkt es, als ob die Politik mal wieder im Rückspiegel nach Innovation sucht. Martina Weimert, Kopf der European Payments Initiative (EPI) und maßgeblich für den europäischen Zahlungsdienst Wero verantwortlich, nimmt in einem aktuellen Interview kein Blatt vor den Mund: 'Ich bin nicht gegen den digitalen Euro, aber der Wunsch nach europäischen Standards kommt schlichtweg Jahre zu spät.' Wero selbst, unterstützt von Dutzenden Banken, musste genau diese Standards bereits unter großem Aufwand realisieren – und nun, so Weimert, kommt eine zweite, ziemlich ähnliche Infrastruktur hinterher, die bisherige Prozesse nur doppelt und für Händler wie Banken kostspielig macht. Statt Zeit und Ressourcen zu verschwenden, fordert sie eine klare Aufgabenteilung: Der digitale Euro solle sich an bewährte Systeme wie Wero andocken, um den Banken und Nutzern neue Doppelstrukturen zu ersparen. 'Wir haben eigene Apps, wir brauchen nicht unbedingt noch eine offizielle EZB-App', meint sie weiter – zumal Verbraucher nicht auf jedes neue System freiwillig aufspringen, was schon jetzt sichtbar sei. Tatsächlich experimentieren europäische Banken mit Wero als Antwort auf Tech-Riesen wie Paypal oder Mastercard, aber die Marktdurchdringung bleibt eine Baustelle. Wero zählt zwar über 50 Millionen Kunden europaweit, davon immerhin 2,7 Millionen in Deutschland, doch das Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen: 2024 stand laut SZ ein Verlust von mehr als 50 Millionen Euro zu Buche. Der Weg zur schwarzen Null? Frühestens 2030, wenn noch mehr Investoren den Laden über Wasser halten. Das größte Problem bleibt ausgerechnet der Handel, dem die EPI-Chefin ziemliches Zögern vorwirft: 'Unsere Geduld mit den Versprechen mancher Händler war an einigen Punkten ein Fehler.' Gerade im stationären Einzelhandel ist Wero praktisch unsichtbar, und auch der Online-Start war holprig. Die EZB wiederum will mit dem digitalen Euro Bargeld ein modernes Pendant geben: Überweisungen, Zahlungen im Geschäft, alles über das neue System. Im Sommer soll das EU-Parlament per Gesetz entscheiden, ob es 2029 tatsächlich losgeht – Händler müssten das System dann wohl akzeptieren. Ein Zwang, der rein privat finanzierte Projekte wie Wero oder Paypal klar benachteiligen würde.

Martina Weimert kritisiert, dass die Europäische Zentralbank viel zu spät mit klaren Digitalgeld-Standards kommt und dem bisherigen Marktgeschehen kaum Rechnung trägt. Sie befürchtet nicht nur teure Doppelstrukturen, sondern auch eine geringe Nutzerakzeptanz für noch eine zusätzliche App und fordert stattdessen, den digitalen Euro sinnvoll mit bestehenden Bezahllösungen wie Wero zu verzahnen. Wero selbst kämpft trotz zahlreicher Kunden mit Anlaufschwierigkeiten, hohen Verlusten und zögernden Händlern – eine Profitabilität sieht die Chefin erst für 2030, falls das System im Markt besser Fuß fasst und Investoren weiter Geduld zeigen. Neuer Internet-Abgleich: Die Debatte um den digitalen Euro gewinnt in der EU an Fahrt. Die FAZ meldet intensive Diskussionen über Datenschutz, wobei viele Bürger besonders kritisch auf die Sammelwut von Daten blicken und der digitale Euro vor allem mit strikten Regeln und Anonymität punkten soll. Die Zeit berichtet, dass vor allem kleinere Banken und Fintechs das Projekt kritisch sehen, weil sie hohe technische Umstellungen und Kosten fürchten; dennoch setzt das EU-Parlament auf eine Lösung, die Bargeldähnlichkeit und digitale Souveränität vereinen könnte. Die Süddeutsche Zeitung betont, dass der digitale Euro vielen Verbrauchern noch unklar sei, aber ein erhebliches politisches Signal an Drittstaaten sei – eine symbolische Unabhängigkeit Europas von globalen Zahlungsriesen.

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