Es ist ein bisschen wie bei einer Band, die sich aus lauter talentierten Solokünstlern zusammensetzt – plötzlich schwingt mehr, als jeder allein je hätte anstimmen können. Bei „first“ haben sich sechs Institute aus den Bereichen Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften in Niederösterreich zu einem echten Kraftpaket zusammengetan. Johannes Pflegerl, Chef des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung an der Fachhochschule St. Pölten und Netzwerksprecher, beschreibt das Ganze als „bestes Beispiel dafür, wie kollektives Forschen möglichst wirksam gestaltet werden kann“. Tatsächlich ist daraus ein oszillierendes Modell geworden, das weit hinausreicht – sowohl in Bezug auf Drittmittel als auch auf die Sichtbarkeit des Standorts.
Gerade im Wissenschaftsbetrieb, wo oft jeder sein eigenes Süppchen kocht, ist das Streben nach Zusammenarbeit zwar ein alter Hut – dass es hier dennoch klappt, liegt vielleicht am locker-lösenden Mix aus Flexibilität, Experimentierfreude und realer Verbundenheit.
So wurde etwa kürzlich eine Dissertation aufgelegt, in der erstmals explizit das Erleben geflüchteter Menschen in Österreich ins Zentrum rückte. Dass daraus eine Stiftungsprofessur für Migrationsforschung an der USTP erwuchs, mit wegweisendem Blick auf Bürokratie und Zugänglichkeit zu Hilfssystemen, ist mehr als nur ein Nebenprodukt – es zeigt, wie ein Bündnis Innovation zündet. Apropos Blickfang: Bei der Festveranstaltung am 11. Juni in der Landesbibliothek sorgte Aleida Assmann, international beachtete Kulturwissenschaftlerin, für einen inspirierenden Denkanstoß, während die Mitglieder in einer bunten Ausstellung zeigten: Nicht Einzelteile machen die Musik, sondern das große Zusammenspiel.
Mit im Boot: das Institut für jüdische Geschichte (Injoest), das Institut für ländliche Geschichte, das Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, das Institut für Realienkunde (IGLR), das Department für Kunst- und Kulturwissenschaften in Krems und das Ilse Arlt Institut der FH St. Pölten. Der Optimismus klingt durch: „first“ ist kein Selbstzweck, sondern Rückenwind für die Region – mitten in den Umbrüchen, denen sich Gesellschaft stellen muss. Vielleicht ist genau das das echte Jubiläumsgeschenk.
Das Netzwerk first feierte sein zehnjähriges Bestehen mit einer Festveranstaltung, bei der die Integration verschiedener Institute zur gemeinschaftlichen Forschung im Mittelpunkt stand. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf innovationsgetriebene Projekte zu Themen wie Fluchtmigration, Inklusion und soziale Teilhabe, die regional wie international wichtige Erkenntnisse bringen. Die Zusammenarbeit von wissenschaftlichen Akteuren aus verschiedenen Fachbereichen hat nicht nur die Sichtbarkeit und Drittmittelfähigkeit der Region gesteigert, sondern auch nachhaltige Impulse für weitere Forschungsvorhaben gesetzt.
Ergänzung durch aktuelle Recherche: Laut einem aktuellen Bericht im Tagesspiegel steht die europäische Forschungslandschaft derzeit vor großen Herausforderungen durch geopolitische Unsicherheiten und finanzielle Engpässe, wodurch Netzwerke wie first an Bedeutung gewinnen, da sie Resilienz und Innovationskraft bündeln. Der Forschungsverbund nimmt zunehmend auch Themen wie Digitalisierung in der Regionalentwicklung und Klimaanpassung auf; laut der Süddeutschen Zeitung gehören genau solche thematischen Erweiterungen zu den entscheidenden Zukunftsaufgaben. Auf der Plattform t3n.de wurde in den letzten Tagen darüber berichtet, dass sich Förderstrategien für Wissenschaftseinrichtungen im deutschsprachigen Raum verändern und auf Zusammenarbeit, Transfer und Praxisbezug ausgerichtet werden – first gilt dabei bereits als positives Beispiel für eine zukunftsorientierte Vernetzungsstruktur.