Unverblümt und eigensinnig mischt sich Guildo Horn – einst ESC-Abräumer, heute Kultfigur – in die Debatte über den Schlager ein. Für den Musiker ist dieses Genre wie eine „herrliche Droge der Gegenwart“, die Schwere und Sorgen für einen Moment verschwinden lässt. Die Doku lässt Horn Revue passieren, wie er sein Image als schräger Entertainer mit Pädagogenblick – zwischen kölschen Clubs und glamourösen Operettenauftritten – immer wieder neu erfand. Dass Schlagermusik als pures Industrieprodukt gesehen wird, hält Horn für falsch: Die Wurzeln reichen tief zurück, weit in die frivole, doppeldeutige Musikkultur der 1920er.
Auch die Geschwister Pfister, legendäre Bühnen-Truppe aus Berlin, fehlen nicht. Sie dehnen und drehen den Schlager so weit, dass Kitsch und Komik, Ironie und Bewunderung plötzlich Seite an Seite stehen – fast wie ein musikalisches Jonglierspiel zwischen Alt und Neu. Ihre Shows, in denen sie mit Versatzstücken aus Peter Alexander und Mireille Mathieu spielen, sind kleine Liebeserklärungen und respektlose Parodien zugleich.
Eine andere Perspektive bringt das Queer Museum Wien. Dort treffen sich Alkis Vlassakakis und Marco Schreuder, die als ESC-Podcastmacher und Kuratoren der Ausstellung „United by Queerness“ zeigen: Der Schlager hat immer schon queere Subtexte durchblitzen lassen – und wurde für viele zur Zuflucht, in der Diversität und Identität gefeiert werden konnten. Gerade der Eurovision Song Contest steht wie kaum ein anderes Event für diese kulturell offene, manchmal subversive Energie.
Für Medienanfragen zu Sendung und Bildern: Annette Reichert vom ZDF-Kommunikationsteam steht per Mail oder Telefon bereit. Weitergehende Infos, Pressematerial und Zugang zu einer Preview gibt es auf den offiziellen Plattformen von 3sat. Das gesamte 3sat-Programm ist eine Kooperation von ZDF, ORF, SRG und ARD.
Die Dokumentation wirft einen vielschichtigen Blick auf den deutschen Schlager: Von seiner Entstehung in Operette und Varieté über die Ära der Fernsehshows bis zum digitalen Zeitalter. Die Doku betont, wie der Schlager Generationen verbindet, sich permanent selbst erfindet und ein Spiegel gesellschaftlicher Sehnsüchte sowie Brüche bleibt. Neuere Schlagzeilen aus der Presse zeigen, wie das Genre aktuell für junge HörerInnen wieder interessant wird – teils als ironisches Meme, teils als ernsthafte Flucht aus Krisenstimmung. Parallel finden queere Communities und neue Stimmen im Schlager Raum für Selbstentfaltung. Studien belegen, dass insbesondere in Krisenzeiten wie während der Corona-Pandemie das Bedürfnis nach heiler Welt in Musik und Medien – und damit auch im Schlager – spürbar wächst. Gleichzeitig warnen manche Kulturkritiker vor einseitiger Verklärung; sie mahnen, auch dessen problematische Momente (z.B. konservative Narrative) stärker zu reflektieren.