AfD dominiert Umfrage in Mecklenburg-Vorpommern – CDU verliert an Boden

Wenige Monate vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD deutlich vorne. Die CDU erlebt einen historischen Einbruch.

vor 57 Minuten | 2 mal gelesen

Eine neue Umfrage von Infratest im Auftrag des NDR bringt Bewegung in die politische Landschaft von Mecklenburg-Vorpommern: Die Alternative für Deutschland steht mit 36 Prozent weiterhin unangefochten an der Spitze. Die regierende SPD klettert auf 27 Prozent und kann damit ihren Rückstand leicht verkürzen. Für die CDU geht es indes steil bergab, sie erreicht nur noch 10 Prozent – ein Wert, wie er für die Christdemokraten in einem Bundesland bislang fast unerreicht niedrig ist. Die Linkspartei kann sich minimal verbessern und landet bei 13 Prozent; das Bündnis Sahra Wagenknecht verliert dagegen einen Punkt und kommt auf gerade mal 5 Prozent. Die Grünen verharren bei 4 Prozent und wären damit aus dem Landtag raus – ein harter Schlag für die Partei. Alle übrigen Parteien, darunter auch die FDP, kommen gemeinsam auf 5 Prozent, wobei die Liberalen offenbar schon nicht mehr gesondert erfasst werden. Die Umbruchsstimmung ist also greifbar: Routinen lösen sich auf, traditionelle Parteien verlieren an Glanz, während neue und weniger etablierte Kräfte zulegen oder sich gerade so über die Fünf-Prozent-Hürde retten. Politische Gewissheiten erscheinen brüchiger denn je.

Die Umfrageergebnisse spiegeln nicht nur aktuelle politische Präferenzen wider, sondern weisen auch auf eine deutliche Zersplitterung und Verschiebung des Parteienspektrums in Mecklenburg-Vorpommern hin. Insbesondere der starke Zuwachs der AfD – in Verbindung mit dem historischen Tief der CDU – lässt auf tieferliegende Veränderungen in der Wählerschaft schließen, die von sozialer Unsicherheit, Frust über etablierte Parteien und möglicherweise auch Protestwahlen geprägt sind. Blickt man auf die aktuellen Berichte: Viele Kommentatoren und Analysten sehen das Erstarken der AfD als Folge langjähriger Versäumnisse in Ostdeutschland, wo etwa wirtschaftliche Sorgen oder politische Entfremdung besonders ausgeprägt sind. Hinzu kommt die allgemeine Erosion der traditionellen Parteienbindung, die insbesondere der CDU zu schaffen macht. In Mecklenburg-Vorpommern wird die politische Gemengelage dadurch noch komplexer – da regionale Themen, wie etwa Strukturwandel, Abwanderung und Transformationsdruck nach wie vor dominieren. Interessant ist dabei auch, dass sich die AfD offenkundig nicht von bundesweiten Skandalen beeindrucken lässt, während bei anderen Parteien – allem voran CDU und Grünen – eher Resignation als Mobilisierungswille vorherrscht. Dass die Grünen den Einzug wahrscheinlich verpassen, unterstreicht noch einmal die unterschiedliche Dynamik im Nordosten.

Schlagwort aus diesem Artikel