Offenbar sind die Sorgen unter Deutschlands Lehrkräften so präsent wie selten zuvor: Laut einer groß angelegten Befragung durch den Ernst Klett Verlag stellen rund 70 Prozent der Lehrkräfte fest, dass zentrale Grundfertigkeiten – wie Lesen, Schreiben, Rechnen, aber auch Konzentrationsfähigkeit und soziales Miteinander – seit mindestens fünf Jahren spürbar schwinden. Die Ergebnisse ziehen sich quer durch die Schullandschaft, auch Gymnasien bleiben nicht verschont. Im Alltag bremst das die Vermittlung von Fachwissen und bringt so manchen individuellen Lebensweg ins Wanken.
Hinterfragt man die Ursachen, taucht ein Motiv besonders oft auf: Der allgegenwärtige Medienkonsum scheint Schülern manche Grundlagen abzugewöhnen, darunter anhaltende Aufmerksamkeit und Belastbarkeit, fügt aber auch neue Probleme wie früh einsetzende psychische Erschöpfung hinzu. Bereits zum Schulanfang fehlt es vielen Kindern an Basiserfahrungen – selbst an so profanen, aber wichtigen Dingen wie feinmotorischen Fähigkeiten.
Zeit, auf diese Defizite einzugehen, ist knapp bemessen, so berichten Lehrerinnen und Lehrer. Sie fordern daher kleinere Klassen und mehr kollegiale Unterstützung. Außerdem halten viele den Einsatz von Eltern und außerschulischen Fachkräften für unabdingbar, um der Schieflage gemeinsam begegnen zu können. Hoffnung gibt es dennoch: Bildungsforscher Kai Maaz deutet die derzeitige Krise als möglichen Startpunkt für lang überfällige Veränderungen.
Maximilian Schulyok, Geschäftsführer des Ernst Klett Verlags, betont, dass moderne Unterrichtsmaterialien gezielt auf die Heterogenität im Klassenzimmer und die Förderung zentraler Basisfähigkeiten zugeschnitten werden müssten. Genau dort will der Klett Bildungsdialog ab dem 16. Juni ansetzen: Austausch über Ansätze, die Lehrenden wirklich helfen. Wissenschaft, Praxis und neue Ideen sollen zusammenfinden.
Als Orientierung dient das neue Bildungsdossier. Es vertieft die Diskussion mit verschiedenen Blickwinkeln aus Wissenschaft und Unterrichtsbetrieb und ist kostenlos abrufbar.
Wer sich weiter informieren oder direkt teilnehmen will: Die Vortragsreihe Klett Bildungsdialog startet online Mitte Juni, alle Schulformen sind willkommen. Details und Anmeldung gibt es hier: [Zur Anmeldung]
Das Dossier: [Zum Download]
Die Klett-Umfrage macht deutlich: Es ist nicht nur eine gefühlte Misere, sondern ein messbarer Trend – die Basisfähigkeiten vieler Schülerinnen und Schüler bröckeln, und das systemübergreifend. Besonders alarmierend ist, wie stark Lehrkräfte den Einfluss von gesteigertem Medienkonsum, fehlender Vorförderung schon im Elternhaus und einem Mangel an Ressourcen im Bildungssektor erleben. Zuletzt haben Medienberichte das Thema erneut aufgegriffen: Der Digitalverband Bitkom warnte jüngst vor einer digitalen Spaltung im Bildungsbereich und forderte verstärkte Bemühungen in digitaler und analoger Infrastruktur (Quelle: [https://www.faz.net]). Insgesamt rückt die Debatte um Basiskompetenzen und die Rolle sowohl der Schule als auch der Familien und der Gesellschaft immer klarer in den Fokus – und sie verlangt nach mutigen, strukturellen Maßnahmen.