Alkoholpreise in Deutschland: Fast konkurrenzlos günstig im EU-Vergleich

Flasche Wein, ein Bierchen oder gar ein Schnaps – nirgendwo in Westeuropa trinken die Menschen so preiswert wie in Deutschland.

05.01.26 08:12 Uhr | 32 mal gelesen

Wer in Deutschland Alkohol kauft, muss im europäischen Vergleich überraschend wenig Geld auf den Tisch legen. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts lagen die Einzelhandelspreise für Alkohol hierzulande im Oktober 2025 satte 14 Prozent unter dem Mittelwert der Europäischen Union. Nur in Italien ist Alkohol noch günstiger – dort unterbietet der Preis den EU-Schnitt um 19 Prozent. In Ländern wie Finnland, wo Alkohol schon fast Luxusgutstatus hat, zahlt man dagegen das Doppelte, nämlich 110 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt. Auch in skandinavischen Nachbarstaaten, Belgien oder Polen bleibt es für die Menschen beim Feierabendbier kostspieliger. Frankreich, Niederlande und Luxemburg tummeln sich etwa am europaweiten Durchschnitt herum. In den östlichen Nachbarstaaten wie Tschechien und Österreich darf man sich wieder über niedrigere Preise freuen. Beinahe ein Nebensatz: Die Preise für alkoholfreie Getränke sehen ein wenig anders aus. In Deutschland zahlt man im Schnitt zwei Prozent über dem europäischen Mittel. Vor allem Lettland schießt den Vogel ab – hier kosten Softdrinks und Co. ganze 46 Prozent mehr als in der EU insgesamt; Schuld daran ist offenbar unter anderem die Zuckersteuer. Dänemark, die Niederlande: auch am oberen Rand. In Frankreich, Tschechien und insbesondere Italien kann man dagegen recht sparsam alkoholfreie Getränke erwerben. Auffällig: Trotz der relativ geringen Preise bleibt der Alkoholkonsum in Deutschland hoch, wenn auch rückläufig. Nach WHO-Angaben trank die deutsche Bevölkerung ab 15 Jahren im Jahr 2022 umgerechnet 11,2 Liter reinen Alkohol pro Kopf. Das entspricht etwa 448 Halbliter-Gläsern Bier pro Person – immerhin ein leichter Rückgang im Vergleich zu 12,1 Litern pro Kopf zehn Jahre zuvor. Der Europameister im Trinken ist übrigens Rumänien, wo 2022 stolze 17,1 Liter reiner Alkohol pro Person konsumiert wurden. Auch Lettland und Tschechien sind vorne mit dabei. In Griechenland, Malta und Zypern indes geht es deutlich beschaulicher zu: Dort bleibt der Alkoholverbrauch pro Nase am niedrigsten.

Alkohol ist in Deutschland im Einzelhandelsvergleich mit anderen EU-Ländern weiterhin besonders günstig. Während Italien noch niedrigere Preise bietet, sind die Kosten in Finnland oder Dänemark um ein Vielfaches höher. Trotz sinkender Tendenz bleibt der deutsche Alkoholkonsum auf hohem Niveau im europäischen Vergleich. Laut aktuellen Berichten diskutieren Politiker und Suchthilfe-Organisationen erneut über eine stärkere Besteuerung und Werbeeinschränkungen, um insbesondere Jugendliche besser zu schützen und den hohen Pro-Kopf-Konsum weiter zu senken. Zudem wird in Medien diskutiert, ob das Preisgefälle innerhalb Europas dazu führt, dass Länder wie Deutschland als Ziel für „Alkoholtourismus“ dienen, was vor allem Grenzregionen zu Dänemark oder Polen betrifft. Inzwischen wächst der Druck auf die Bundesregierung, Maßnahmen gegen die erschwinglichen Alkoholpreise zu ergreifen, da Preiserhöhungen nachweislich dazu beitragen können, riskanten Konsum zu reduzieren.

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