Rüstungsunternehmen Renk startet Werk in Polen

Renk aus Augsburg zieht mit einem neuen Werk nach Polen und will damit seine Aktivitäten in Osteuropa deutlich ausbauen.

heute 09:01 Uhr | 4 mal gelesen

Laut Vorstandschef Alexander Sagel steht bei Renk der Plan, in Polen Service- und Montagestrukturen hochzuziehen, inzwischen fest – das sagte er dem 'Spiegel'. Vorerst sollen dort Getriebe, Antriebe und Laufwerke gewartet werden, mit dem Ziel, auf mittlere Sicht auch Teile vor Ort zu produzieren. Sagel betont: Damit können Kunden aus Polen, der Ukraine oder dem Baltikum schneller bedient werden, Ausfallzeiten werden minimiert. Die Rede ist von bis zu einer halben Milliarde Euro, die Renk innerhalb von vier bis fünf Jahren in Werkserweiterungen sowie Innovationen investieren will. Der Zulieferer, dessen Komponenten fast überall in der westlichen Militärtechnik stecken, sieht sich als Indikator für den Stand der europäischen Landkriegsfähigkeiten. Unter den Kunden sind Schwergewichte wie KNDS, Rheinmetall und Leonardo gelistet – alles Konzerne, die für die Umrüstung Europas maßgeblich sind. Übrigens: Der Druck auf die Branche ist gestiegen. Verteidigungsminister Pistorius fordert mehr Geschwindigkeit, denn laut McKinsey-Report bleiben die Bestände bei Panzern und Jets in Europa derzeit stabil, ohne wirklich zu wachsen. Für Sagel ist Polen ein logischer Schritt, um näher an die Abnehmer im Osten zu rücken: 'Wenn in Polen ein Panzer bei einer Übung ausfällt, kann man sich den Rücktransport quer durch Europa einfach sparen.' Kein anderes Land im Bündnis investiert – verglichen mit der Wirtschaftskraft – so viel in Verteidigung wie Polen. Auch die NATO stockt an der Ostflanke auf. Noch etwas: Renk verfolgt ehrgeizige Pläne in Italien, denn die Armee dort will über 1.000 Schützen- und Kampfpanzer mit Komponenten von Renk bauen lassen. Die Produktion in Augsburg soll sich bis 2026 fast verdreifachen. Zudem will Renk beim Boom von unbemannten Fahrzeugen mitmischen und arbeitet hier mit dem Start-up Arx Robotics zusammen, das an KI-gesteuerten Kettenfahrzeugen tüftelt. Und: Sogar komplett eigene autonome Systeme mit Kunden sind möglich, meint Sagel – Zukunftsvisionen inklusive.

Renk positioniert sich mit dem polnischen Werk als zentrale Drehscheibe für Wartung und baldige Produktion militärischer Komponenten in Osteuropa, um den wachsenden Bedarf der Region zu bedienen – insbesondere angesichts des Ukraine-Kriegs und der verstärkten NATO-Präsenz vor Ort. Neben Polen baut Renk auch in Italien aus und nutzt die gestiegene Nachfrage nach modernsten Rüstungsgütern, darunter autonome und KI-basierte Systeme; das Ziel ist eine massive Ausweitung von Produktion und Umsatz in den kommenden Jahren. Hintergrund ist der europaweite politisch-militärische Druck, Lieferbarkeit und Modernisierung der Ausrüstung zu beschleunigen, begleitet von steigenden Investitionen gerade in Ländern wie Polen, das aktuell so viel in seine Verteidigung investiert wie noch nie. Zudem gibt es laut aktuellen Medienberichten wachsende Sorgen über zu langsame Fortschritte beim europäischen Rüstungsausbau, weshalb Unternehmen wie Renk mit Investitionen und Kooperationen offensiv vorangehen.

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