Arbeitsrecht entfernt sich vom Status quo: Neue Klagewelle wegen Gender-Pay-Gap erwartet

Mit Rückenwind aus Brüssel bekommen Frauen künftig stärkere Hebel, gegen ungleiche Bezahlung vorzugehen – das könnten viele Unternehmen spüren.

heute 13:47 Uhr | 3 mal gelesen

Der Arbeitsrechtsexperte Adam Sagan sieht auf Unternehmen schwierige Zeiten zukommen. Durch die neue EU-Richtlinie zur Lohntransparenz, die Deutschland bis zum Sommer umsetzen soll, rücken Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen verstärkt ins Rampenlicht. Arbeitgeber müssen künftig darlegen, warum Männer und Frauen unterschiedlich bezahlt werden – und wenn das nicht überzeugend klappt, könnten die Gerichte bald einige unangenehme Überraschungen für Firmen bereithalten. Sagan glaubt: Bleibt der Gender-Pay-Gap bestehen, zieht das Klagen mit realen Erfolgschancen nach sich. Viele Betriebe stoßen da schnell an eine Grenze, weil sich alle Varianten der Begründung von Gehaltsunterschieden irgendwann abnutzen oder schlicht nicht nachvollziehbar sind. Erst recht für identische Tätigkeiten. Seine Prognose klingt fast wie ein Tabubruch aus Unternehmersicht: Vermutlich werden männliche Beschäftigte demnächst schwächere Lohnsteigerungen sehen – während weibliche Beschäftigte deutlich spürbarer aufholen. Ein verkrustetes System gerät also unter einen völlig neuen Druck.

Der Druck auf deutsche Unternehmen wächst, weil die EU-Entgelttransparenzrichtlinie jetzt nationale Realität werden muss. Experten wie Adam Sagan erwarten, dass bestehende, oft schwer zu rechtfertigende Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen schon bald zu Klagen führen könnten – mit guter Aussicht auf Erfolg für die Klägerinnen. Während viele Firmen sich bemühen könnten, Nachbesserungen zu vermeiden, besteht ein realistisches Szenario darin, dass in den nächsten Jahren gerade Frauen überproportional von Lohnanpassungen profitieren und die Lohnschere sich so stückweise schließt. Aktuelle Berichte aus verschiedenen Medien (z.B. auf Zeit Online, Süddeutsche und FAZ) zeigen, dass die Richtlinie politisch umkämpft ist – Arbeitgeberverbände warnen teils vor bürokratischen Hürden, während Gewerkschaften und Arbeitsrechtler sie als wichtigen Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit feiern. Interessant ist: In Unternehmen, die bereits freiwillig Lohntransparenz eingeführt haben, zeigte sich der Gender-Pay-Gap zwar reduziert – verschwand aber nicht vollständig. Die echte Herausforderung bleibt also bestehen.

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