Was bleibt nach einem Dutzend Jahre als diplomatischer Vertreter des Papstes in Deutschland? Zuletzt war es Erzbischof Nikola Eterovic, dessen Wirken jedenfalls Spuren in Staat und Kirche hinterlässt. Bischof Dr. Heiner Wilmer lobte im Namen der gesamten Deutschen Bischofskonferenz Eterovics engagierte, diskrete und oft vermittelnde Art. Von Gesprächen mit Staatsoberhäuptern und Ministern bis hin zu den kleinen Gesten im Alltag kirchlicher Feste – Eterovic sei dabei stets ein Garant für Verlässlichkeit gewesen. Überraschend offen hob Wilmer sogar kritisch-distanziertes Engagement etwa beim Synodalen Weg hervor: Eterovic begleitete, ohne jedes Mal zu applaudieren.
Wilmer betonte ferner die bewegende Bilanz: Zwischen Bundespräsidenten, Bundeskanzlern, Katholikentagen und Dutzenden Bischofsernennungen war der Nuntius nicht einfach Botschafter zwischen Vatikan und Politik, sondern Gastgeber für Dialog und Brückenbauer – auch für internationale Anliegen, etwa die Ukraine und den Nahen Osten. Die katholische Nuntiatur, so Wilmer, sei in Eterovics Amtszeit ein echtes Forum der Begegnung gewesen.
Mit dem Niederländer van Megen kommt nun ein global erfahrener Diplomat nach Berlin. Jahrgang 1961, Priester seit 1987, seit 1994 im Dienst des Heiligen Stuhls. Nach Stationen in Krisenregionen wie Eritrea, Sudan, Kenia und Südsudan, dazu Engagement für die vatikanische Verbindung zu UN-Organisationen, bringt van Megen viel Krisenerfahrung mit nach Deutschland. Dr. Wilmer fasst die Hoffnung auf eine konstruktive Zusammenarbeit in eine offene Willkommensgeste: Kirche und Gesellschaft brauchen gerade jetzt das offene Gespräch – und oft auch jemanden, der unbequem bleibt.
Der Wechsel im Amt des Apostolischen Nuntius fällt in eine für die katholische Kirche in Deutschland herausfordernde Zeit: Die Debatten über Reformen (etwa zum Synodalen Weg, z.B. Frauenordination, Machtstrukturen) sind lebhaft und teilweise kontrovers. Eterovic agierte als Vermittler, aber auch als kritischer Gegenpart, der sowohl Nähe zum Vatikan als auch Respekt für die Eigenständigkeit der lokalen Kirche zeigte. Van Megen bringt mit seiner Erfahrung insbesondere im Umgang mit Konflikten in Afrika neue Impulse mit und könnte angesichts politischer Umbrüche in Europa und fortgesetzter gesellschaftlicher Debatten eine vermittelndere, aber auch klar europäische und internationale Perspektive einbringen. Nach jüngsten Medienberichten sieht die katholische Kirche in Deutschland angesichts sinkender Mitgliederzahlen und gesellschaftlicher Herausforderungen Mehrbedarf an Dialog und Reformen. Die Berufung von van Megen wird auch als Zeichen gewertet, dass dem Vatikan die Entwicklungen und Sorgen in Deutschland keineswegs gleichgültig sind.