Pergamonsaal: Glanz und erneute Dunkelheit – Das Hin und Her der Wiedereröffnung

Licht am Ende des Tunnels? Ein Teil des legendären Pergamonmuseums in Berlin steht nach jahrelanger Bau-Odyssee kurz vor der Rückkehr – doch die Freude könnte nur von kurzer Dauer sein.

heute 13:02 Uhr | 3 mal gelesen

Kulturinteressierte dürften sich schon auf den April 2027 freuen: Dann soll – nach einer gefühlten Ewigkeit – der prachtvoll modernisierte Pergamonsaal mitsamt seinem berühmten Altar endlich wieder zugänglich sein. Aber, gerade so, als hätte sich das Museum in ein Stück Kafka verwandelt, wird auch dieser Triumph nur vorübergehend sein. Denn kaum sieben Jahre später, im Juli 2034, ist erneut Schluss für mehrere Monate – diesmal fünf an der Zahl. Das jedenfalls behauptet eine Spiegel-Recherche, die auf einem streng vertraulichen Bauzeitenplan basiert. Hintergrund sind anscheinend weitere Sanierungen in bislang nicht renovierten Museumsteilen. Eine Ironie des Schicksals: Bereiche, die eben erst wiedereröffnet werden, sollen – glaubt man den Plänen – rasch wieder dichtmachen. So zum Beispiel der frisch komponierte Haupteingang mit Tempietto-Kuppel, der 2027 aufmacht und schon 2030 wieder geräumt werden muss, um über sechs Jahre im Dornröschenschlaf zu verharren. Auch der Schlütersaal ist betroffen und bekommt ab 2032 für mindestens fünf Jahre das Schild 'geschlossen' ans Tor. Währenddessen wird derzeit ein Abschnitt des Hauses für die anstehende Teilöffnung ausstaffiert. Ob der anvisierte April-Termin aber wirklich zu halten ist? Hinter vorgehaltener Hand heißt es, der Buffer sei aufgebraucht – jeder kleine Zwischenfall könnte das Timing aus dem Takt bringen. Auf Nachfrage wiegelt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz jedenfalls noch ab, spricht schwammig vom 'Frühjahr 2027'. Die vollständige Rückkehr des gesamten Museums ist übrigens für Sommer 2037 vermerkt – jetzt aber drei Wochen später als zuletzt angedacht. Ein wenig erinnert das alles an ein Bau-Zeitspiel: Ursprünglich sollte bereits 2010 alles durch sein, begonnen hat das große Sanieren aber erst 2013.

Die anhaltenden Verzögerungen bei der Sanierung des Pergamonmuseums spiegeln typische Herausforderungen großer Kulturbau-Projekte in Deutschland wider – jahrelange Terminverschiebungen, Kostensteigerungen und komplexe Absprachen prägen das Geschehen. Laut aktuellen Medienberichten ist das Berliner Pergamonmuseum nicht nur aus denkmalpflegerischer Sicht ein Riesenvorhaben, sondern auch logistisch schwierig: Verschiedene Bauetappen müssen aufeinander abgestimmt und museale Schätze während der Arbeiten geschützt werden. Immer wieder machen straffe Zeitpläne – so etwa die geplante Teilöffnung 2027 – einen wackeligen Eindruck, denn interne Informationen belegen, dass keinerlei Pufferzeiten mehr bleiben; schon kleine Verzögerungen haben direkte Auswirkungen auf die Fertigstellung. Zusätzlich wächst der Unmut bei Museumsbesuchenden, der Öffentlichkeit und Expert:innen über die wiederkehrenden Schließungen teils frisch restaurierter Bereiche. Neben dem berühmten Altar und architektonischen Highlights wie dem Tempietto-Eingang werden auch andere Säle mehrfach geschlossen und wiedereröffnet – ein wahrer ‚Dauer-Baustellen-Modus‘ im Herzen der Museumsinsel. Im Vergleich zu anderen europäischen Großsanierungen schneidet das Berliner Projekt zwar nicht ungewöhnlich schlecht ab, doch die Erwartungshaltung an die Vorzeigekulturstätte bleibt enorm hoch. Frische Stimmen aus den letzten 48 Stunden bestätigen, dass das Ringen um Planung, Finanzierung und Kulturerhalt anhält – und so mancher fragt sich leise, ob je wieder Ruhe in die Hallen der Antikensammlung einkehren wird.

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