Ist das der Beginn einer echten Energiewende aus den Labors heraus? Zwischen Garching und Gundremmingen hat sich ein ungewöhnliches Konsortium gebildet: Proxima Fusion, ein innovationshungriges Startup mit Wurzeln im Max-Planck-Institut, spannt zusammen mit Bayerns Politik, dem Wissenschafts-Urgestein IPP und dem Stromgiganten RWE. Per Absichtserklärung haben sie sich verpflichtet, auf dem Papier skizziert, die Entwicklung hin zum ersten kommerziellen Stellarator-Reaktor in die Hand zu nehmen: "Stellaris". Die Technik der Wahl: die Magnetfusion, ein Meilenstein für saubere, grundlastfähige Energieproduktion, abseits klassisch radioaktiver Problemquellen.
Der Plan: Vor dem Endziel soll ein leistungsfähiger Demonstrator – "Alpha" – in Garching entstehen. Über ihn will man zentrale Technologien auf Alltagstauglichkeit abklopfen und Risiken minimieren. Ein Ansatz, der durchaus Mut verlangt: Die Kosten, so hört man, könnten sich auf mehr als zwei Milliarden Euro summieren. Ein Mix aus staatlichen Zuschüssen, Landesmitteln, Engagement der Wirtschaft und Eigenkapital von Investoren soll es richten. Gleichzeitig verspricht man sich von diesem Aufbruch immense Impulse für Arbeitsplätze und Wertschöpfung, gerade entlang der Zulieferketten. Alle Beteiligten spielen auf Sieg, wenn es um den Sprung von der Forschung in die industrielle Realität geht – in durchaus atemberaubendem Tempo.
Es klingt beinahe märchenhaft: Gundremmingen, einst Atomstandort, könnte nunmehr zum Leuchtturm der europäischen Fusionsmoderne werden. RWE bringt Know-how aus Jahrzehnten Betreibererfahrung ein, das IPP sorgt für wissenschaftliche Führung, und Proxima Fusion greift den internationalen Ruf der deutschen Fusionsforschung auf. Die Erwartungen sind hoch – und die Hoffnung, im globalen Wettlauf als Erster Punkt zu machen, schwingt in jeder Pressemitteilung mit.
Es gibt allerdings, das räume ich ein, auch Stimmen, die fragen, wie schnell und verlässlich solche Projekte tatsächlich den Sprung von der Theorie ins Netz schaffen. Der Fusionssektor, davon erzählen Kollegen in der Branche, hat schon öfter große Hoffnungsschübe erlebt – und musste sich dann in Geduld üben. Diesmal setzen alle Beteiligten auf Geschwindigkeit, private Investitionen und ein Ökosystem aus Startups, Forschung und Industrie. Den Rückhalt aus Bundes- und Landespolitik haben sie. Wenn alles klappt, entstehen im Bau und späteren Betrieb Tausende neue Stellen, und Bayern könnte auf Jahrzehnte hinaus die Nase vorn haben im Zukunftsgeschäft der Fusionsenergie.
In Bayern wird ein Großprojekt zur Entwicklung des ersten kommerziellen Fusionskraftwerks Europas angeschoben. Proxima Fusion, Bayern, das Max-Planck-Institut und RWE bündeln hier ihre Kräfte, mit dem Ziel, über einen Demonstrationsreaktor am Forschungsstandort Garching die entscheidenden Technologien zu erproben und dann bei Gundremmingen das eigentliche Kraftwerk "Stellaris" zu errichten. Das MoU sieht ein Mischmodell der Finanzierung aus öffentlicher Förderung und privaten Investoren vor und verspricht große Impulse für den Wirtschaftsstandort – auch vor dem Hintergrund, dass Deutschland und Europa planvoll an mehr Energiesouveränität arbeiten. Ergänzend zu den bisherigen Infos berichten Medien aktuell, dass die neue Fusionsinitiative mit Skepsis begleitet wird, da der Sprung zur wirtschaftlichen Energieerzeugung technologisch komplex bleibt und Kritiker auf die jahrelange Verzögerungen und Unsicherheiten früherer Fusionsprojekte hinweisen. Zusätzlich steht Bayern mit seiner Hightech-Agenda unter Druck, tatsächlich innovative Durchbrüche zu schaffen, während global Startups und Staaten gleichermaßen um den Fusions-Meilenstein konkurrieren. Zeitgleich erkennen Wirtschaftsjournalisten aber auch, dass sich mit der Bündelung wissenschaftlichen Know-hows, industrieller Kompetenz und politischer Förderung erstmals eine Dynamik entfaltet, die ernsthafte Fortschritte bei der Realisierung von Fusionsenergie erwarten lässt.