Bundesbank-Chef Nagel fordert: Rentenalter rauf und Altersvorsorge neu denken

Joachim Nagel, Präsident der Bundesbank, spricht sich offen für ein höheres Renteneintrittsalter und neue Wege in der Altersvorsorge aus.

heute 20:57 Uhr | 2 mal gelesen

Joachim Nagel scheut nicht davor zurück, klare Worte zur Zukunft unseres Rentensystems zu finden. Im Gespräch mit dem "Handelsblatt" betonte er die Notwendigkeit, das gesetzliche Rentenalter perspektivisch zu erhöhen. Wörtlich: Dass wir länger leben, müsse sich auch im Arbeitsleben widerspiegeln – ein Gedanke, der heute vermutlich auf wenig Begeisterung stößt, aber wirtschaftlich betrachtet schwer zu ignorieren ist. Nagel lobt das ab 2027 geplante "Altersvorsorgedepot" – dieses soll die Riester-Rente ablösen und endlich eine kapitalgedeckte Altersvorsorge stärken. Hierbei könnten künftig mittels Staatszulage in ETFs investiert werden. "Das ist ein guter, sogar überfälliger Schritt in die richtige Richtung", findet er. Doch direkt Euphorie will er nicht aufkommen lassen. Die Maßnahme helfe erst in einigen Jahren: Die nahenden Herausforderungen der Rentenkasse – Stichwort Babyboomer gehen in Rente – löse sie nicht von heute auf morgen. Und: Mehr Geld vom Staat in die Rentenversicherung zu stopfen, sei auch kein dauerhafter Ausweg. Der Vorschlag des Bundesbankpräsidenten klingt nüchtern und konsequent: Nach 2031 müsse das Rentenalter regelmäßig an die weiter steigende Lebenserwartung angepasst werden. "Es ist nur folgerichtig, wenn wir ein Stück unserer gewonnenen Lebensjahre auch erwerbstätig verbringen", so Nagel. Klingt hart? Vielleicht, aber ehrlich.

Nagels Vorschläge treffen einen Nerv. Angesichts der doppelten Alterung – mehr ältere Menschen, weniger Junge – gewinnen die Debatten über Rentenreform, private Vorsorge und Staatszuschüsse an Dringlichkeit. Das Altersvorsorgedepot gilt für viele als sinnvolle Ergänzung zur bisherigen gesetzlichen Rente und verspricht mehr Rendite durch ETF-Investments – allerdings erst mit Verzögerung. Schon jetzt ist absehbar, dass die nächsten Regierungen schmerzhafte Entscheidungen nicht ewig vertagen können. Frische Recherchen zeigen, dass in mehreren Ländern Europas ähnliche Modelle der kapitalgedeckten Vorsorge diskutiert werden, während in Deutschland Skepsis und Hoffnung gleichermaßen wachsen: Lässt sich der demografische Wandel fair auffangen, ohne soziale Brüche zu riskieren?

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