Bundeswehr-Einkaufschefin mahnt bei Plänen zur US-Abkehr zur Besonnenheit

Annette Lehnigk-Emden, oberste Einkäuferin der Bundeswehr, spricht Klartext: Den Ruf nach schnellem Loslösen von den USA im Rüstungsbereich hält sie für übereilt.

heute 13:49 Uhr | 3 mal gelesen

Eigentlich läuft’s rund mit den US-Partnern: Lehnigk-Emden, Präsidentin des Bundeswehr-Beschaffungsamts, stellt fest, dass die Zusammenarbeit mit amerikanischen Rüstungslieferanten reibungslos verlaufe. Besonders bei Großaufträgen wie Kampfjets des Typs F-35 oder den legendären Chinook-Hubschraubern habe es wenig Anlass zur Klage gegeben – im Gegenteil, man zeigt sich ausdrücklich zufrieden mit dem amerikanischen Service und der Vertragstreue. Ein bisschen verwundert klingt sie, wenn sie auf die politischen Forderungen nach mehr Eigenständigkeit Europas in Sachen Rüstung zu sprechen kommt. "Das ging jetzt etwas hopplahopp und vielleicht einen Tick zu flott," merkt Lehnigk-Emden an und lässt Zweifel aufkommen, ob die Bundeswehr diesem Tempo strukturell oder strategisch schon gewachsen ist. In Koblenz – wo das Beschaffungsamt seinen Sitz hat – betreibt man aus gutem Grund sogar ein Kontaktbüro in den USA. Auf die Frage, ob dieses Büro in Gefahr sei: Sie bleibt diplomatisch, will keine Spekulationen füttern, sondern anpassungsfähig bleiben, falls sich die politische Großwetterlage dreht. Was bleibt: Seit Jahren treibt Deutschland mit wachsendem Nachdruck an, dass Europa militärisch eigenständig wird. Besonders nach dem Ukraine-Krieg hat die Diskussion um „strategische Autonomie“, diesen zwiespältigen Begriff, neu an Fahrt aufgenommen.

Die Chefeinkäuferin der Bundeswehr, Annette Lehnigk-Emden, hat die Geschwindigkeit bei den Bemühungen kritisiert, sich von den USA als hauptsächlichem Rüstungspartner zu lösen. Sie betonte, dass die Kooperation mit den USA weiterhin reibungslos laufe und dass Deutschland insbesondere bei wichtigen Rüstungsprojekten auf US-Technik angewiesen sei. Ihr zufolge müsse ein möglicher Kurswechsel sorgfältig abgewogen werden, da Europa zwar stärker eigenständig werden wolle, aber noch auf transatlantische Unterstützung angewiesen bleibt. Jüngste Recherchen und Analysen zeigen zudem, dass viele europäische Staaten weiterhin auf US-Rüstungsgüter setzen, da Alternativen oft fehlen oder deren Entwicklung zu langsam voranschreitet. Durch den Ukraine-Krieg ist das Sicherheitsbedürfnis Europas gestiegen, doch der Aufbau einer von den USA unabhängigen Verteidigungsindustrie erweist sich als langwieriges und kompliziertes Unterfangen, das intensive Zusammenarbeit innerhalb der EU erfordert.

Schlagwort aus diesem Artikel