Tatort 'Fackel': Zwischen Fiktion, Grenfell und Realität – Fachleute warnen vor Fehldarstellung beim Hochhaus-Brand
Berlin – Am Sonntag läuft die neue Tatort-Folge "Fackel" im Ersten, deren Plot laut Regisseur Rick Ostermann an das Drama um den Grenfell Tower angelehnt ist: Ein großer Hochhausbrand, angeblich ausgelöst durch billige Dämmstoffe, und ein Baustoff-Firmenchef mit politischen Verbindungen stehen im Vordergrund. Die Geschichte will offenbar gesellschaftliche Brisanz gewinnen, indem sie auf einen realen Fall anspielt, doch Experten schlagen Alarm: Die Episode bediene gefährliche Mythen.
heute 13:41 Uhr | 2 mal gelesen
Wenn es um Baukatastrophen geht, ist die öffentliche Wahrnehmung oft schnell bei den 'vermutlich brennbaren' Dämmmaterialien. Die Tatort-Folge "Fackel" – schon jetzt heftig diskutiert – dreht sich genau um diese Ängste. Serena Klein, die Chefin des Industrieverbandes Hartschaum (IVH), hält das für gefährlich vereinfachend und betont: Die filmische Darstellung blende zentrale technische und regulatorische Zusammenhänge komplett aus. Laut Klein ist es schlichtweg falsch, einzelne Baustoffe für Katastrophen wie Grenfell verantwortlich zu machen – der Abschlussbericht zum Londoner Brand habe vielmehr auf Fehler im Zusammenspiel von Bauplanung, Ausführung und (Nicht-)Kontrolle hingewiesen. Besonders pikant: Die für Grenfell verantwortlichen Fassadenplatten bestanden aus Aluminium mit Polyethylen-Kern, Polystyrol kam an der Außenwand gar nicht zum Einsatz. Anders als suggeriert, verhindert das strenge deutsche Baurecht mit umfangreichen Prüfverfahren und Zulassungen, dass solche Bauweisen bei uns vorkommen könnten. Gerade in der öffentlichen Diskussion seien differenzierte Fakten unverzichtbar, um nicht Klimaschutz-Instrumente wie Wärmedämmung unter Generalverdacht zu stellen. Kurz: Der Tatort pickt sich Aspekte heraus, macht daraus einen vereinfacht schuldigen Dämmstoff – und gießt damit Öl ins Feuer bestehender Vorurteile.
Die Tatort-Episode "Fackel" nutzt das Narrativ eines brandgefährlichen Dämmstoffs als zentrale Ursache für einen Hochhausbrand, nimmt dabei aber laut Branchenvertretern fachliche Abkürzungen, die in der Realität nicht haltbar sind. Der offizielle Untersuchungsbericht zum Grenfell Tower belegt, dass eine Verkettung von Konstruktionsfehlern, unzulänglicher Regulierung und Verwendung ungeeigneter Fassadenelemente (Alu-Verbundplatten mit Polyethylen-Kern) den Brand begünstigten – Polystyrol-Dämmstoffe waren nicht im Spiel. Nach deutschen Standards (vor allem der Muster-Hochhaus-Richtlinie) sind solche Szenarien nahezu ausgeschlossen; Wärmedämmstoffe wie EPS leisten nicht nur energetisch und ökologisch einen Beitrag, sondern werden auch intensiv auf Brandsicherheit geprüft.
Erweiterte Fakten: Eine Recherche aktueller Artikel zeigt, dass Bauvorschriften in Deutschland im internationalen Vergleich besonders strikt ausgelegt sind und seit dem Grenfell-Tower-Brand 2017 gleich mehrfach verschärft wurden. Viele Medien machen auf die gesellschaftliche Verantwortung von TV-Produktionen aufmerksam, die sich an realen Katastrophen orientieren, und fordern eine sorgfältige Abwägung zwischen Aufklärung und Dramatisierung. Ebenfalls in der Diskussion: Die Bedeutung von Dämmmaterialien für das Erreichen der Klimaziele steht regelmäßig im Konflikt mit der (oft emotional geführten) Brandschutz-Debatte.