Chemiebranche taumelt: Zukunft weiter ungewiss

Deutschlands chemisch-pharmazeutische Industrie bleibt weiterhin angeschlagen. Im letzten Quartal 2025 setzte sich in der klassischen Chemie der Negativtrend bei Produktion, Preisen und Umsatz fort, wohingegen die Pharma-Sparte – leicht, aber stetig – dagegenhielt und für einen kleinen Lichtblick sorgte.

heute 08:37 Uhr | 4 mal gelesen

Manchmal fühlt es sich an, als würde ein ganzer Industriezweig auf dünnem Eis tanzen, ohne zu wissen, ob darunter harter Boden oder kaltes Wasser wartet. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) zeichnete am Freitag ein wenig schmeichelhaftes Bild: Die Auslastung der Fabrikanlagen dümpelt weiterhin auf einem Niveau, das kaum Gewinn zulässt. Fast schon trotzig beklagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup, dass die Politik der Bundesregierung 'wie mit angezogener Handbremse' arbeite – und das, obwohl viele Unternehmen längst am Anschlag fahren. Statt Entlastung gäbe es Frust und einen fatalen Stillstand. Besonders bitter: Auch 2026 sieht er keinen Kurswechsel, eher weitere Unsicherheit, hohe Preise, scharfen Wettbewerb, kurz gesagt – wenig Aussicht auf Besserung. Ohne echte Reformen drohe laut Große Entrup ein fundamentaler Bruch der deutschen Industrielandschaft. Zu alldem kommt noch die angespannte Lage im Nahen Osten (Stichwort Irankrieg), was als Damoklesschwert über globalen Lieferketten hängt. Immerhin: Während die Chemiebetriebe im Schlussquartal 2025 ein weiteres Mal bremsen (erneut Rückschritte bei Produktion und Umsatz, minus 2,8 Prozent gegenüber 2024), hält die Pharmasparte mit einem Plus von 4,5 Prozent tapfer dagegen. Trotzdem bleibt der Gesamtausblick – sagen wir es so – alles andere als rosig.

Deutschlands Chemiebranche schlittert weiter durch eine schwierige Phase, geprägt von Absatzschwächen, zu teuren Energiekosten und globalen Unsicherheiten durch geopolitische Spannungen. Die Produktion sank laut VCI weiter, insbesondere auch aufgrund fehlender Innovationsanreize und einer, so der Verband, zu zaghaften Industriepolitik: Mehrere Stimmen aus der Branche fordern daher energische Gegenmaßnahmen, von günstigeren Energiepreisen bis zu entschlosseneren politischen Entscheidungen. Aktuelle Berichte der Handels- und Wirtschaftsmedien betonen zudem, wie das schwache Wachstum im Chemie-Sektor nicht nur für Arbeitsplätze, sondern auch für die gesamte industrielle Wertschöpfungskette in Deutschland kritisch wird – eine Entwicklung, die das Land als Produktionsstandort nachhaltig beschädigen könnte.

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