Es wirkt fast wie ein Reflex: Viele Unternehmen verhandeln ihren nächsten Energievertrag, als ginge es nur ums Zahlenvergleichen. Dabei entscheidet nicht selten die Kleingedrucktes-Welt aus Paragraphen und Laufzeiten, ob man als Betrieb am Ende blutet oder spart. Typische Fehler – und auch manche Fehleinschätzung – tauchen immer wieder auf. Hier ein paar Einblicke, die ich in der Praxis gesammelt habe.
Vier Vertragspunkte mit Fallstrick-Potenzial
Was unterschätzt wird? Erstens: Preisgleitklauseln mit unbegrenztem Spielraum nach oben. Klettern die Marktpreise, rutscht die Rechnung mit – Erleichterungen bei sinkenden Kursen sucht man hingegen oft vergeblich. Ähnlich tückisch: Verträge, die sich ausschließlich am extrem schwankenden Spotmarkt orientieren, ohne ein Sicherheitsnetz. Ein Paradebeispiel lieferten viele Unternehmen im Krisenjahr 2022, deren Strompreise durch die Decke schossen.
Ein dritter Klassiker: Lange Vertragslaufzeiten ohne flexible Ausstiegsmöglichkeiten. Wer 2021 auf Langfrist wettete, sitzt bis heute in mancher Kostenfalle fest. Und zu guter Letzt: Strenge Mehr- und Mindermengenregelungen – besonders für Betriebe mit stark schwankendem Energiebedarf ein teuerer Stolperstein. Im Preisvergleich nehmen solche Klauseln einen Rückenplatz ein, aber wenn sie wirken, dann meist mit voller Wucht.
Der trügerische Schein des Arbeitspreises
Der Arbeitspreis springt ins Auge – das ist nachvollziehbar. Doch eigentlich stellt er nur einen Baustein im Gesamtkunstwerk Stromrechnung. Nicht selten geraten weitere Kostenblöcke wie Netzentgelte, Umlagen, fixe Leistungskosten und Steueranteile ins Hintertreffen. Und was noch kritischer ist: Wie werden Risiken verteilt? Wer trägt die Launen des Marktes, wer darf flexibel bleiben? Wer rigoros nur auf einen attraktiven Arbeitspreis schielt, kauft sich oft Risiken ein, die Jahre später teuer bezahlt werden.
Fehler, die immer wieder passieren
In der Praxis erlebt man häufig, dass alles auf einen Einkaufstermin gesetzt wird – meist zum Jahresende oder bei Vertragsende. Ist der Markt dann gerade ungünstig, zahlt man auf das ganze Volumen drauf. Ebenso gefährlich: Blindes Weiterführen beim alten Anbieter, weil sich keiner mit neuen Optionen beschäftigt. Oder das bloße Fokussieren auf Zahlen, ohne das Vertragskonstrukt zu hinterfragen. Und dann ist da noch das ewige Hoffen auf bessere Preise, während tatsächlich günstige Zeitfenster ungenutzt verstreichen.
Strategien für mehr Kostenkontrolle
Abhilfe schafft es, nicht alles auf einmal einzukaufen, sondern in Schritten – sogenannte Tranchenmodelle machen das möglich. So kann man auf Markttiefs reagieren, ohne das volle Risiko zu nehmen. Hybride Beschaffungsvarianten, bei denen ein Teil am Spotmarkt gehandelt wird, eröffnen zusätzliche Chancen. Wer zudem die Laufzeiten seiner Verträge differenziert, gerät weniger schnell in den Rhythmus aller Verträge auf einen Schlag. Am Ende bleibt die Frage: Wieviel Risiko will mein Unternehmen eigentlich tragen?
Drei praktische Schritte zur Bestandsaufnahme
Wer handeln will, startet mit Klarheit: Verträge genau unter die Lupe nehmen, Fallstricke wie Verlängerungsklauseln und Sonderregeln erkennen. Dann lohnt sich der Blick aufs letzte Jahr: Stimmen die Rechnungen, wurden alle Gutschriften genutzt? Nicht selten gibt es Nachforderungen oder Erstattungen im vier- bis fünfstelligen Bereich, die man sich durch Unachtsamkeit entgehen lässt. Abschließend: Eine eigene, zum Unternehmen passende Beschaffungsstrategie festlegen – mit durchdachten Tranchen, passender Markt-Absicherung und fairen Laufzeiten. So bleibt am Ende vielleicht mehr unter dem Strich übrig.
Zum BVGE:
Die BVGE ist mit mehr als 2.700 angeschlossenen Betrieben und rund 60 Energielieferanten die größte unabhängige Einkaufsplattform für Gewerbekunden. Wer wissen will, wie gebündelte Nachfrage und objektive Beratung in der Energiebeschaffung funktionieren: Details stehen auf https://www.bvge.com/
Pressekontakt:
BVGE Consulting GmbH
Julian Rosenthal und Christian Bauer
info@bvge.energy
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Energieverträge bergen für Unternehmen versteckte Risiken, insbesondere durch Preisgleitklauseln ohne Begrenzung, rein spotmarktorientierte Modelle und lange Laufzeiten ohne Anpassungsoptionen. Viele Betriebe springen beim Abschluss oder der Verlängerung alter Verträge zu kurz, prüfen Klauseln und Nebenkosten nicht ausreichend oder handeln zu unflexibel – das führt oft zu vermeidbaren Mehrkosten. Gewiefte Strategien wie gestaffelte Beschaffung (Tranchenmodelle), hybride Marktmodelle und regelmäßige Prüfung der Rechnungen auf Korrektheit sowie eine individuelle Risikobetrachtung erleichtern nicht nur die Planung, sondern reduzieren auch bares Risiko.
NEU: Seit Sommer 2023 wird in vielen Fachmedien und auch in Branchen-News intensiv darüber berichtet, dass immer mehr Versorger versuchen, über Nebenabreden oder versteckte Preisanpassungsklauseln die gestiegenen Einkaufskosten direkt an ihre Kunden weiterzugeben. Die Bundesnetzagentur und Verbraucherzentralen warnen wiederholt vor Intransparenz und raten zur genauen Prüfung besonders von Zusatzkosten wie gesonderten Netzentgelten und neu eingeführten Gebühren. Außerdem zeigte eine Umfrage des DIHK (Frühjahr 2024), dass knapp zwei Drittel der Industrieunternehmen sich aktuell mehr Flexibilität und bessere Vergleichsmöglichkeiten bei der Energieeinkaufsstrategie wünschen, da sie sich durch die bisherigen Vertragsmodelle stark ausgebremst fühlten.