Stillstand gefährdet Zukunft – Siemens-Chef Busch fordert KI-Turbo für Deutschland

Nürnberg – Wenn es nach Siemens-Chef Roland Busch geht, wird in Deutschlands Industrie momentan auf Zeit gespielt, während anderswo das KI-Rennen auf Hochtouren läuft. Für Busch steht fest: Jetzt ist Krisenmodus angesagt, denn tatenloses Warten kostet nicht nur Marktanteile, sondern die technologische Zukunft des Standortes.

heute 08:59 Uhr | 1 mal gelesen

Künstliche Intelligenz sei laut Roland Busch weit mehr als ein kurzlebiger Technikhype – sie sei so wesentlich, dass sie Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend auf links drehen könnte. 'Dampfmaschinen brauchten 60 Jahre, Elektrizität 30 und das Internet 15. Bei KI haben wir bestenfalls sieben oder acht Jahre Zeit – davon sind drei futsch', führte Busch beim Nürnberger Big Bang Summit aus. Er erklärte, Deutschland müsse seine Anstrengungen fokussieren und die oft schwerfälligen Entscheidungswege radikal verkürzen. Gerade im industriellen Bereich sehe Busch noch eine solide Chance fürs Land, anders als zum Beispiel beim Plattformgeschäft oder bei den mächtigen Basismodellen der KI – da habe Europa bereits den Kürzeren gezogen. Vor allem die Schnittstelle zwischen klassischem Maschinenbau, Automatisierung und KI könnte sich als Glücksfall entpuppen. Doch Buschs Mahnung an Firmen – insbesondere an den Mittelstand – ist eindeutig: Erkennen reicht nicht mehr, jetzt müsse Geschwindigkeit her. Dazu brauche es offenes Datenteilen, neue digitale Plattformen und einen Innovationsrhythmus, der nicht im Sprung verharrt. Siemens selbst arbeite, so Busch, schon eng mit mehreren Maschinenbauern beim Austausch von Produktionsdaten zusammen – daraus sollen tragfähige KI-Lösungen für die Industrie entstehen. Besonderes Augenmerk liege auf der Zuverlässigkeit: In Fabriken brauche KI ein Sicherheitsnetz technischer Prüfungen, etwa physikbasierte Simulationen, um Fehler früh zu erkennen und Risiken kontrollierbar zu machen. Last but not least kritisierte Busch die Entwicklungen an den Finanzmärkten rund um KI: Hier sei viel heiße Luft unterwegs, denn einige Bewertungen seien 'viel zu hochgejazzt'.

Der Kern von Buschs Warnung: Deutschland droht bei der industriellen Nutzung von KI ins Hintertreffen zu geraten, falls Politik und Wirtschaft nicht entschlossener handeln. Die Stärken des Standorts liegen zwar im Maschinen- und Anlagenbau, aber eine fragmentierte Digitalisierung, Datenschutzängste und das Zögern bei der Datenfreigabe bremsen das Innovationspotenzial. International forcieren die USA und China massive KI-Investitionen, während es hierzulande bei Pilotprojekten und Initiativen bleibt, was im globalen Wettbewerb riskant ist – Busch fordert daher ein Umdenken, pragmatischere Zusammenarbeit zwischen Mittelstand und Großindustrie sowie mutige politische Richtungsentscheidungen. Weitere Recherchen zeigen, dass aktuelle Berichte nahezu kollektiv auf den Aufholbedarf Deutschlands hinweisen: Die Süddeutsche Zeitung betont, dass trotz vieler Leuchtturmprojekte und Start-up-Förderung zu wenig konkrete KI-Implementierungen in der Wertschöpfungskette erfolgen. Die FAZ verweist auf die Notwendigkeit von EU-weiten Standards für vertrauenswürdige industrielle KI, betont jedoch den drohenden Abfluss von Talenten wegen besserer Rahmenbedingungen anderer Länder. Die taz hebt warnend hervor, dass fehlende Investitionen und bürokratische Hürden in Deutschland bereits Start-ups ins Ausland treiben, während China und die USA unbeeindruckt in den Markt drängen.

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