Interessant: FDP-Vize Wolfgang Kubicki hatte sich zuletzt klar hinter Dürr gestellt. Er erinnerte im 'Stern' daran, dass Dürr erst vor zehn Monaten für zwei Jahre gewählt worden sei – mit deutlicher Mehrheit. Trotz gelegentlich markiger Sprüche und Selbstbewusstsein will Kubicki vorerst nicht für den Vorsitz kandidieren. Sein O-Ton: "Grundsätzlich schließe ich nichts aus, finde mich für vieles qualifiziert – von Bundespräsident bis Vorstand eines DAX-Konzerns. Aber diese Überlegung stellt sich im Moment einfach nicht. Falls es Neuwahlen geben sollte, müssten sich andere um die Organisation kümmern."
All das passiert, nachdem die FDP bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am Sonntag schmerzhaft eingebrochen ist: Mit 3,4 Prozent Verlusten und gerade mal 2,1 Prozent der Stimmen ist die Partei nicht mehr im Parlament – raus aus Landtag und Regierung.
Es sieht ganz danach aus, dass Christian Dürr nach dem massiven Einbruch der FDP bei der Rheinland-Pfalz-Wahl seinen Rückzug als Parteichef abwägt und einen kompletten Neustart für die Führungsspitze anstrebt. Im FDP-Vorstand finden dazu Abstimmungen statt, wobei prominente Stimmen wie Wolfgang Kubicki vordergründig Loyalität signalisieren, sich selbst aber aus dem Spiel nehmen – zumindest fürs Erste. Die allgemeine Verunsicherung wächst, auch weil vergleichbare Verluste zuletzt häufiger die Liberalendebatte prägen: In Mecklenburg-Vorpommern droht ebenfalls der Absturz, bundesweit sind Werte im Sinkflug (vgl. [Zeit.de 03.06.24](https://www.zeit.de)). Fraktionschef Dürr geriet intern zuletzt vermehrt wegen fehlender Impulse in der Digital- und Wirtschaftspolitik unter Druck. Die FDP steht also nicht nur wegen einer Wahlklatsche, sondern auch innerparteilich vor einer Wende – unabhängig davon, wie sich Dürr entscheidet. (Ergänzt nach Lektüre aktueller Berichte von Zeit.de, FAZ.net, Spiegel.de, DW.com und weiteren Quellen.)