Melnyk drängt Europa: Mehr Mut zur echten Diplomatie gegenüber Moskau

Andrij Melnyk, einst Botschafter der Ukraine in Deutschland, fordert einen neuen diplomatischen Kurs von den europäischen Staaten – zum Zweck, gegenüber Russland aktiver und entschlossener zu vermitteln.

heute 09:59 Uhr | 4 mal gelesen

Europa, so Melnyk, könne sich nicht zurücklehnen, während in der Ukraine weiter gekämpft wird. 'Jetzt ist der Moment, um all das eigene internationale Gewicht in der Waagschale der Diplomatie zu sammeln', betonte er jüngst im Gespräch mit dem 'Tagesspiegel'. Bereits zu Beginn des Jahres – das klingt fast wie eine abgegriffene Schallplatte – habe er Berlin und den übrigen europäischen Hauptstädten nahegelegt, mehr Mut zu neuen diplomatischen Wegen zu fassen, um gemeinsam Druck auf Kremlchef Putin auszuüben – vergeblich. Die Zeit, so Melnyk etwas resigniert, sei seitdem ungenutzt verstrichen. Er gibt sich dennoch kämpferisch: Noch sei es für ein beherztes diplomatisches Eingreifen der EU – zusammen mit Großbritannien, Norwegen oder anderen Partnern – nicht zu spät. Ziel: Russland endlich und dauerhaft zu Verhandlungen zu bewegen und so die Grundlage für einen echten Frieden zu schaffen. Vor wenigen Tagen mischte sich auch die frühere Kanzlerin Merkel wieder in die Debatte. Sie äußerte offenes Bedauern darüber, dass Europa bis jetzt nicht die nötigen diplomatischen Bemühungen an den Tag gelegt habe. Besonders interessant: Merkel wird aktuell als Vermittlerin ins Gespräch gebracht, was Melnyk selbst allerdings eher kritisch sieht. Er hält eher einen amtierenden Spitzenpolitiker für geeignet, ausgestattet mit ausreichend politischer Rückendeckung und einem klaren Mandat aus Brüssel. Ehemalige Amtsträger, auch wenn sie Namen haben wie Merkel, traut er diese Aufgabe ausdrücklich nicht zu.

Melnyk betont anhaltend, wie zentral die Rolle der europäischen Diplomatie im Ukrainekrieg sein könnte und vermisst weiterhin ein entschiedenes Handeln, insbesondere aus Berlin und Paris. Neben seiner Skepsis gegenüber der Vermittlerrolle von Altkanzlerin Merkel fordert Melnyk eine neue, offensivere Strategie: Ein amtierender, einflussreicher Politiker solle mit einem überzeugenden EU-Mandat für direkte Gespräche mit Moskau ausgestattet werden. Jüngste Entwicklungen zeigen zudem, dass nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Akteure der EU infolge des lang anhaltenden Kriegs erheblichen Druck spüren – Debatten um einen Sondergipfel zur Ukrainehilfe und deutsche Initiativen für gelockerte Friedensgespräche verdeutlichen die allgemeine Ratlosigkeit und das Ringen um neue Impulse. Recherche-Update: Laut aktueller Berichte auf SPIEGEL Online treibt die ruinierte Infrastruktur in Teilen der Ukraine nicht nur die Zivilbevölkerung, sondern auch EU-Akteure zum Umdenken; diplomatische Lösungswege werden wieder stärker öffentlich debattiert (Quelle: [SPIEGEL](https://www.spiegel.de)). Die Süddeutsche weist darauf hin, dass gleichzeitig die russische Regierung ihre diplomatischen Kontakte zur EU deutlich heruntergefahren hat, was Vermittlungen erschwert (Quelle: [Süddeutsche](https://www.sueddeutsche.de)). Auf ZEIT Online wird das verstärkte Drängen Skandinaviens auf neue Friedensinitiativen hervorgehoben, besonders Norwegens Vorstoß zu einer internationalen Vermittlungsrunde (Quelle: [ZEIT](https://www.zeit.de)).

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