EU erklärt Russland zur vorrangigen Gefahrenquelle

Ein internes EU-Papier kommt zu einem klaren, ziemlich alarmierenden Schluss: Russland gilt als die größte und persistenteste Gefahr für Europas Sicherheit.

11.07.26 06:02 Uhr | 27 mal gelesen

Die 'Welt am Sonntag' zitiert aus einer bisher unveröffentlichten Analyse des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD), in der Russland als 'die aktuellste, maßgeblichste, unmittelbarste sowie auf lange Sicht wichtigste Bedrohung' für die Sicherheit Europas bezeichnet wird. Am Montag soll das Papier, das intern 'Common Understanding' heißt, vermutlich von den Außenministern der EU-Staaten in Brüssel beschlossen werden. Das Dokument beschreibt, wie die Militarisierung Russlands, die stückweise Einbindung der Gesellschaft in Kriegswirtschaft und technische Vorhaben – darunter Raumfahrt- und Nukleartechnologien – die strategische Lage für die EU dauerhaft verschärfen könnte. Bei den USA geht das Papier vorsichtiger vor: Öffentlich werden sie als 'wesentlichster strategischer Verbündeter' benannt. Doch angeblich enthält der vertrauliche Teil eine deutlich nüchternere Bewertung, so berichten es jedenfalls Diplomaten – möglicherweise gärt im transatlantischen Verhältnis mehr Skepsis, als man offen zugeben mag.

Das EU-Dokument ist ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich Europas Blick auf Russland seit dem Überfall auf die Ukraine gewandelt hat: Die Gefahr wird nicht mehr nur als temporär betrachtet, sondern als langfristig festgeschrieben. Russlands Umbau zur Kriegswirtschaft und die systematische Entwicklung strategischer Schlüsseltechnologien lassen in Brüssel offenbar wenig Raum für Hoffnung auf Entspannung. Die Beziehung zu den USA bleibt offiziell eng, doch Unsicherheiten und Distanz wachsen – vermutlich auch wegen der US-amerikanischen Fokusverschiebung hin zu Asien, wie verschiedene Sicherheitsexpert:innen bemerken. Recherchen belegen, dass der aktuelle EU-Gipfel flankiert wird von Warnungen vor russischer Einflussnahme und Cyberangriffen. Deutschland beschleunigt gerade gemeinsam mit Partnern Militärprojekte und betont die Notwendigkeit eigenständiger europäischer Verteidigungskapazitäten. Parallel dazu diskutiert Europa über die Risiken von Desinformation aus Russland, die gezielt politische Risse im Inneren des Kontinents vertiefen soll.

Schlagwort aus diesem Artikel