Chrupalla stichelt gegen Bardella nach AfD-Kritik

Tino Chrupalla, Spitzenmann der AfD, gibt Jordan Bardella vom französischen Rassemblement National kontra – wegen dessen scharfer Worte gegenüber der AfD.

heute 12:58 Uhr | 2 mal gelesen

„Bardella soll erst mal selbst Präsident werden, bevor er sich Friedrich Merz an den Hals wirft“, sagte Chrupalla beim TV-Sender Welt. Zuvor hatte Bardella in der FAZ erklärt, Kanzler Merz als Freund zu betrachten und auf Distanz zur AfD gegangen. Chrupalla sieht die Sache jedoch differenziert: Trotz aller Kritik erkenne er zahlreiche Übereinstimmungen mit Bardellas Partei. „In Frankreich wird auch das Rassemblement National gern mit dem Label rechtsextrem versehen. Gar kein so großer Unterschied zu uns“, meint er. Überhaupt, fügte Chrupalla hinzu, findet er es höchst fragwürdig, wenn Parteien aus anderen Ländern sich in deutsche Angelegenheiten einmischen, seien es Franzosen oder auch die italienischen Fratelli d'Italia um Giorgia Meloni. „Solch ein Verhalten pflegen wir selbst nicht. Und, ehrlich, gewisse Wissenslücken scheinen da durchaus mitzuschwingen – sowohl beim Rassemblement National als auch bei Frau Meloni. Nach Frankreich, nach Italien: Die Kontakte sind da, die Abstimmung in Brüssel funktioniert – mit französischen wie italienischen Partnern. Wir wissen sehr wohl, wofür wir stehen, und wir arbeiten konstruktiv zusammen. Gab’s auch in Brüssel schon öfter, das Zusammenspiel.“

Chrupalla kontert die harsche Kritik von Bardella an der AfD vehement und hinterfragt die Motivlage des französischen Rechtspopulisten. Zwar sieht er grundlegende Unterschiede im Umgang, doch betont er, dass die AfD in der Vergangenheit eng und erfolgreich mit rechten Parteien in Brüssel zusammengearbeitet hat. Neu recherchiert: Seit dem Wahlerfolg der Rechten in Europa hat sich die Dynamik der bürgerlich-rechten Kräfte verschärft. Bardella, dessen Partei bei den jüngsten Europawahlen stärkste Kraft in Frankreich wurde, versucht bewusst eine Abgrenzung zur AfD, um für gemäßigte Wähler*innen attraktiver zu erscheinen. Zugleich steigen im europäischen Parlament die Gräben zwischen konservativen Parteien – besonders nach dem Ausschluss der AfD-Fraktion aus der ID-Gruppe im Mai 2024. Die EU-weite Rechte ist derzeit bemüht, ihr Image aufzuhellen und die Zusammenarbeit untereinander neu zu ordnen.

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