Der Wind hat sich spürbar gedreht: Alte Gewissheiten rund um Sicherheit lösen sich mehr und mehr auf – davon ist Kay Ruge, Chef des Landkreistags, inzwischen überzeugt. Im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ hebt er hervor, dass sich Deutschland nicht länger leisten könne, beim Schutz seiner Bürger zu sparen – allein schon wegen neuer, schwer berechenbarer Bedrohungen: hybride Angriffe, Anschlagswarnungen, die allgegenwärtigen Naturkatastrophen. Ruge betont, dass die Verantwortung nicht nur oben – beim Bund – hängenbleiben dürfe. Es sind die Landkreise, Städte und Gemeinden, in denen die Krisenpläne im Ernstfall wirklich greifen müssen: Leitstellen, die Feuerwehr, Freiwillige, Krankenhäuser, Verwaltung – hier schlägt der Puls des Bevölkerungsschutzes. Wie viele der versprochenen Gerätschaften und Fahrzeuge bei den Kreisen tatsächlich ankommen, sei aber noch völlig offen. Wer jetzt ein dickes Paket schnürt, dürfe sich nicht zurücklehnen: Die Gefahrenlagen ändern sich (und zwar schnell), also müssen auch nachgelagerte Investitionen ständig aufgestockt werden, so Ruge. Der geplante Pakt sei allenfalls ein Anfang, und entscheidend sei, dass Bund, Länder und Kommunen jetzt echte Teamarbeit vormachen. Misstrauen? Ja, vielleicht ein Rest – aber die Hoffnung ist: Dieses Mal ziehen wirklich alle an einem Strang.
Immerhin: Die öffentliche Debatte rund um Katastrophenschutz hat an Fahrt aufgenommen. Angesichts der wachsenden Unsicherheiten – vom Extremwetter bis zur geopolitischen Nervosität – erscheint es sinnvoll, dass der Ruf nach mehr Investitionen auch bei den Verantwortlichen im Bund angekommen ist. Allerdings gibt es weiterhin Zweifel, wie viel von den angekündigten Verbesserungen tatsächlich an der 'Basis' – bei Land und Kommunen, den eigentlichen Ersthelfern – umgesetzt wird. Inzwischen diskutieren Expert:innen auch, dass es in Deutschland noch immer an bundesweit abgestimmten Strategien fehlt und nicht überall genug Material oder Personal verfügbar ist. Internationale Vergleiche etwa mit Schweden und Finnland zeigen, dass dort massive Anstrengungen zur Modernisierung der Zivilschutzstruktur laufen – Vorbilder, die auch hierzulande eine größere Rolle spielen könnten.