Pflegeheime: Eigenanteile fast so hoch wie durchschnittliche Renten

Der niedrigste Betrag, den Bewohner von Pflegeeinrichtungen mindestens aus eigener Tasche zahlen müssen – der einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) – kratzt inzwischen fast am durchschnittlichen Rentenbetrag, der auf deutschen Konten landet. Das zeigt eine aktuelle Stellungnahme des Bundesgesundheitsministeriums zu einer parlamentarischen Anfrage der Linksfraktion, über die unter anderem das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

heute 00:02 Uhr | 3 mal gelesen

Im Jahr 2024 müssen Pflegeheimbewohner laut aktuellen Zahlen monatlich mindestens 920 Euro als Eigenanteil zahlen – ein Betrag, der dem Durchschnitt der ausgezahlten gesetzlichen Rente von 1.154 Euro näher ist als man meinen könnte. Und die Tendenz ist steigend: Für 2025 und 2026 werden Eigenanteile von 1.028 Euro beziehungsweise 1.104 Euro prognostiziert. Allerdings sieht die Realität oft noch düsterer aus, denn der reale Durchschnitt liegt mit zuletzt 3.245 Euro monatlich beträchtlich über dem gesetzlichen Mindestwert. Das Bundesgesundheitsministerium gibt jedoch zu bedenken, dass die durchschnittliche Altersrente nicht sämtliche Einkommen im Alter berücksichtigt – es spielen beispielsweise weitere Einkommensquellen und die gesamte Haushaltslage eine Rolle. Doch für viele Betroffene ist das einfach wenig tröstlich. Evelyn Schötz, die pflegepolitische Sprecherin der Linksfraktion, kritisiert, Pflegebedürftigkeit zerstöre in kurzer Zeit sowohl Rente als auch Ersparnisse und treibe viele unverschuldet in die Armut. Statt Lösungen anzubieten, rechne die Regierung Zahlen schön und verschleiere das Ausmaß des Problems. Als Ausweg fordert sie eine echte Pflegevollversicherung, die alle Pflegekosten ohne Eigenbeteiligung übernimmt – finanziert durch eine Aufhebung der Beitragsgrenzen für Besserverdienende, die Einbeziehung aller Berufsgruppen, inklusive Beamte und Politiker, und weitere strukturelle Reformen.

Die Kostenlast für Pflegeheimbewohner steigt weiter und droht zunehmend, die Renten der Betroffenen aufzuzehren. Während das Bundesgesundheitsministerium darauf verweist, dass auch andere Einkommensquellen relevant seien, beklagen viele Bürger und Verbände eine sprunghafte Zunahme der Eigenanteile – mit zum Teil existenzbedrohenden Folgen für Pflegebedürftige. In jüngeren Debatten mehren sich Forderungen nach einer grundlegenden Reform, etwa durch eine Pflegevollversicherung und eine solidarischere Finanzierung, weil die bisherigen Entlastungs- und Unterstützungsmaßnahmen als unzureichend empfunden werden. Weitere aktuelle Recherchen zeigen, wie die Pflegekosten viele Familien finanziell erdrücken und den Sozialstaat zunehmend herausfordern. Erst kürzlich berichtete die Süddeutsche Zeitung über die Debatte, wie die Zahlungen der Pflegekassen nicht mehr mit den tatsächlichen Heimentgelten Schritt halten: Die Differenz wälzt sich auf die Bewohner und deren Angehörige ab, was bei steigenden Kosten viele Rücklagen rasch aufbraucht (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Die Zeit griff das Thema ebenfalls auf und beleuchtete, wie immer mehr Menschen wegen der hohen Pflegeheimkosten Sozialhilfe beantragen müssen – einschließlich gepflegter Angehöriger der Mittelschicht (Quelle: Die Zeit). Der Spiegel widmete sich zuletzt der politischen Dimension und analysierte die Vorschläge verschiedener Parteien, etwa die Ausweitung der Zahlungsverpflichtung auf wohlhabendere Gesellschaftsschichten, sowie mögliche Folgen einer Pflegevollversicherung für alle Beitragszahler (Quelle: Der Spiegel).

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